Warum haben viele Pässe eine ähnliche Farbe?
Ob Südseeparadies oder Wüstenstaat: Viele Reisepässe sehen sich erstaunlich ähnlich. Die Farbtöne bewegen sich fast immer zwischen Rot, Blau, Grün und Schwarz.

Das Wichtigste in Kürze
- Blau dominiert: Mit 84 Ländern ist Blau die weltweit beliebteste Reisepass-Farbe.
- Rot für Europa: Die meisten EU-Staaten und einige kommunistische Länder setzen auf Rot.
- Grün mit Bedeutung: Islamisch geprägte Staaten wählen Grün aus religiösen Gründen.
Zahlreiche Reisepässe rund um die Welt sehen sich zum Verwechseln ähnlich – trotz aller Unterschiede, die uns sonst trennen.
Statt bunter Vielfalt dominiert eine überraschend kleine Farbpalette: Rot, Blau, Grün und Schwarz. Die Auswahl ist nicht modisch motiviert, sondern häufig politisch, religiös oder geografisch begründet.
Blau ist weltweit am beliebtesten
Mit 84 Nationen an der Spitze ist Blau aktuell die beliebteste Reisepass-Farbe weltweit. Besonders in Nord- und Südamerika sowie in Ozeanien dominiert der blaue Einband.

Die USA entschieden sich 1976 für diesen Farbton, um ihre Passfarbe an die eigene Flagge anzupassen. Auch viele Länder der südamerikanischen Wirtschaftsunion Mercosur sowie zahlreiche Karibikstaaten tragen Blau. Ein Symbol für eine «neue Welt».
Auf Platz zwei folgt Rot – und hier kommt auch die Schweiz ins Spiel. Mit seinem satten, fast leuchtenden Rot und dem weissen Kreuz sticht der Schweizer Pass weltweit deutlich hervor. Es ist ein Designstatement mit Wiedererkennungswert.
Rot ist besonders in Europa weit verbreitet: Die EU-Staaten setzen fast flächendeckend auf diese Farbe, ebenso Länder mit enger europäischer Anbindung wie die Türkei oder Nordmazedonien.
Auch einige kommunistisch geprägte Staaten wie China oder Russland nutzen Rot. In Südamerika tragen Länder wie Peru oder Kolumbien rote Pässe – aus eher ästhetischen Gründen.
Grün für den Glauben – und die Gemeinschaft
Platz drei belegt Grün. Die Farbe ist besonders bei islamisch geprägten Staaten beliebt, da sie religiös aufgeladen ist: Grün gilt als Lieblingsfarbe des Propheten Mohammed und findet sich in vielen Nationalflaggen.
Auch zahlreiche westafrikanische Staaten, die der Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS angehören, entschieden sich für grüne Einbände als Symbol regionaler Zugehörigkeit.

Mit nur sieben Ländern weltweit ist Schwarz die mit Abstand seltenste Passfarbe. Neuseeland, Malawi, Tadschikistan, Angola, der Kongo, Trinidad und Tobago sowie die Palästinensischen Gebiete haben sich für Schwarz entschieden. In Neuseeland spielt dabei auch die symbolische Verbindung zur Maori-Kultur eine Rolle.
Kurios, aber praktisch: In Japan hängt die Passfarbe nicht vom Land, sondern von der Gültigkeitsdauer ab. Ein roter Pass gilt zehn Jahre, ein blauer nur fünf.
Ein cleveres System. Und eine Erinnerung daran, dass bei Reisepässen selbst kleine Details viel über Herkunft, Kultur oder System verraten.
Praktisch muss es auch sein
Und warum dominieren bei Reisepässen meist gedeckte, dunkle Töne? Ganz einfach: Sie gelten als besonders unempfindlich gegenüber Abnutzung – ideal für ein Dokument, das um die Welt reist.

Auch optisch und haptisch erfüllen sie Erwartungen an Seriosität: Eine strukturierte Oberfläche mit goldgeprägtem Emblem auf tiefem Grund vermittelt weltweit Autorität, Beständigkeit und Verlässlichkeit.
Trotz ähnlicher Farben lassen sich die Pässe natürlich individuell gestalten – etwa durch Wappen, Prägungen, Schriften oder Sicherheitsmerkmale. So entsteht bei aller Farbreduktion doch eine grosse Vielfalt.
Fazit: Einheitliche Farben helfen beim internationalen Wiedererkennungswert und sind gleichzeitig Ausdruck kultureller oder politischer Zugehörigkeit.
Wer also beim nächsten Grenzübertritt einen dunkelroten oder blauen Pass zückt, hält damit nicht nur ein Reisedokument in der Hand. Sondern auch ein Stück Weltpolitik im Taschenformat.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.