Coronavirus: In Skeptiker-Gemeinden gibts mehr Tote
In Gemeinden, in denen das Stimmvolk die Massnahmen stärker ablehnte, starben mehr Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Das zeigt eine Studie.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz konnte das Stimmvolk mehrmals über die Corona-Massnahmen abstimmen.
- Laut einer neuen Studie hängen Abstimmungsverhalten und Sterberisiko zusammen.
- In Gemeinden mit mehr Nein-Stimmen starben mehr Personen am Coronavirus.
Die soziale Ungleichheit beeinflusste während der Pandemie das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Das grösste Risiko bestand für invalide Nichterwerbstätige, wie Forschende des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsam) kürzlich zeigten.
Aber auch ein politischer Faktor spielt in dem Zusammenhang offenbar eine Rolle. Das belegt nun eine neue Studie der Universität Bern.
Die Forschenden nahmen die Ergebnisse der Abstimmung zu den Corona-Schutzmassnahmen im Juni 2021 als Grundlage für ihre Untersuchung. Zudem berechneten sie für jede Schweizer Gemeinde die Übersterblichkeit.
Das Forschungsteam kommt zum Schluss: In Gemeinden mit einem höheren Nein-Anteil zu den Covid-Massnahmen starben mehr Menschen an Covid-19.
«Die Korrelation zwischen dem Abstimmungsverhalten und der Sterblichkeit während der Pandemie ist erwiesen: Mehr Nein-Stimmen geht einher mit mehr Toten. Wir fanden den Zusammenhang nahezu flächendeckend», sagt Matthias Egger, Professor für Epidemiologie, gegenüber «CH Media».
Doch woran liegt es, dass es in massnahmenskeptischen Gemeinden mehr Corona-Tote gab, als statistisch zu erwarten war? Egger sagt dazu: «Naheliegend ist, dass jene Personen, die Nein stimmten, grundsätzlich skeptisch waren gegenüber Schutzmassnahmen und diese folglich weniger befolgten.»
Coronavirus: Menschen auf dem Land oft exponierter
Hinzu kommt, dass vor allem ländliche Gebiete der Studie zufolge von einer höheren Übersterblichkeit betroffen sind. Viele Menschen dort haben Berufe, bei denen man sich nicht durch Homeoffice vor Corona schützen kann.
«Wer Postautochauffeur ist, im Service arbeitet oder auf der Baustelle, war exponierter. Und erlebte auch viele der gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmassnahmen unmittelbarer. Möglicherweise führte das zu einer stärkeren Ablehnung», so Egger.
Doch das seien alles nur Interpretationen. «Die Korrelation zwischen Abstimmungsverhalten und Sterberisiko ist aber gesichert», hält er fest.
Insgesamt konnte das Schweizer Stimmvolk dreimal über die Corona-Massnahmen abstimmen. Der Ja-Stimmenanteil lag jeweils bei etwas mehr als 60 Prozent.