Büsi-Versteherin nennt Fressnäpfe «Tierquälerei» – zurecht?
Katzen sollten besser nicht aus einem kleinen Napf fressen. «Tierquälerei», wie es eine Tierschützerin nennt, ist das aber nicht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Zu kleine und zu enge Fressnäpfe für Katzen stehen in der Kritik.
- Eine Katzentierärztin und eine Katzenpsychologin sagen, worauf es ankommt.
- Doch nicht nur die Grösse des Napfs ist für die Büsis entscheidend.
Diese Tierschützerin hält nicht mit Vorwürfen zurück. «Darum ist es Tierquälerei, aus so einem Napf zu füttern», beginnt sie ihr Instagram-Video.
Im Bild zu sehen ist ein relativ kleiner Fressnapf. Doch worin genau besteht das Problem?
Es sind die Schnurrhaare, wie die Tierschützerin erklärt.
«Die sind super sensibel und merken jede noch so leichte Berührung. Und wenn die jetzt beim Fressen immer vom Napfrand abgeknickt werden, ist das super unangenehm für die Katze.»
Die Folge: «Fressen wird dann echt zur Qual.» Einige Büsis hören gleich ganz auf mit Fressen.
Tatsächlich? Nau.ch fragt bei zwei Katzenexpertinnen nach.
«Grundsätzlich ist dieser Post reisserisch und vor allem auf möglichst viele Likes ausgerichtet. Von Tierquälerei zu sprechen ist ziemlich gesucht», ist Katzentierärztin Leslie Wohlgroth aus Horgen ZH überzeugt.
Doch in einem Punkt habe die Tierschützerin aus dem Video dennoch recht.
Büsi-Schnurrhaare sind «sehr empfindlich»
«Die Schnurrhaare sind sehr empfindlich. Und es gibt bestimmt einige Katzen, die es nicht mögen, wenn die Schnurrhaare einen Schalenrand berühren», sagt sie.
Andererseits gebe es auch Katzen, die sich nicht darum scheren und problemlos aus engen Näpfen fressen.
Auch Katzenpsychologin Brigitte Richner aus Muhen AG bestätigt, dass die Schnurrhaare «sehr sensibel» sind.

«Grundsätzlich besteht diese Problematik», sagt sie. «Ich würde allerdings nicht so weit gehen und von Tierquälerei sprechen.» Wie sehr sich eine Katze daran stört, sei vom Individuum abhängig.
«Meiner Erfahrung nach nehmen Katzen das Futter aus dem Napf, aus dem sie es bekommen», sagt Richner.
Doch: «Katzen sind Individuen, wie wir Menschen das auch sind. Die einen stören sich vielleicht mehr an etwas, an dem sich andere gar nicht stören.»

Viele Katzen würden auch sogenannte Wühlboxen lieben.
«Manche Katzen machen das, indem sie es mit den Pfoten erspüren und herausholen. Und andere, indem sie mit der Nase das Wühlmaterial aus dem Weg schieben. Dabei ist die Schnauze mit den Schnurrhaaren zwangsläufig in Kontakt mit dem Wühlmaterial.»
Katzen wollen sich «mühsames Auslecken» sparen
Etwas sollte man beim Napf-Kauf aber doch beachten, sagt Tierärztin Leslie Wohlgroth. Der untere Rand des Napfs sollte keinen 90-Grad-Winkel haben.
«Die Katzennase ist nicht gemacht, um einen engen Napf mit einem 90-Grad-Winkel auszulecken.» Viele heutige Katzen haben nämlich einen verkürzten Kopf mit flachem Gesicht und kurzer Nase.
«Sie haben zudem eine kürzere, weniger bewegliche Zunge als Hunde. Die kommen technisch kaum in diese Ecken rein», so Wohlgroth.
«Da muss das Futter schon enorm gut sein und der Hunger gross, dass sie sich das mühsame Auslecken antun.»
Generell seien nicht behandelte Zahnprobleme das viel grösserer Problem als die Schnurrhaare. «Wenn die empfindlichen Zähne schmerzen, vermeiden Katzen vermutlich, das Futter mit den Zähnen zu greifen.»
Katzen sind Snacker
Wenn das Büsi nicht auffrisst, sollte man zudem nicht gleich in Panik geraten.
Katzenpsychologin Brigitte Richner verrät nämlich: «Eine gesunde und ausreichend sowie artgerecht ernährte Katze frisst selten einen befüllten Napf in einem Zug leer. Sofern nicht das Risiko besteht, dass sie später kein Futter mehr zur Verfügung hat.»
In der Natur gehen Katzen nämlich zwischen acht bis 14-mal täglich auf die Jagd. Das heisst, statt einer grossen Mahlzeit bevorzugen die Büsis Snacks.
«Aus tierpsychologischer Sicht stellt sich also weniger die Frage, warum eine Katze einen gefüllten Napf nicht leer frisst, sondern vielmehr: Warum frisst sie ihren Napf leer?»
Fressnapf sieht Futternäpfe mit hohem Rand nicht kritisch
Und was sagt die Heimtierbedarfskette Fressnapf zur Fressnapf-Diskussion?
Fressnapf sehe «keine grundsätzlichen Konflikte bei der Verwendung von Futternäpfen mit hohem Rand», sagt eine Sprecherin.

«Die artgerechte Ernährung und Pflege von Heimtieren hat oberste Priorität. Wobei die Grösse des Napfrandes nicht zwangsläufig ausschlaggebend ist.»
Wenn Katzen jedoch ein schlechtes Fressverhalten zeigen, rät Fressnapf die Form oder die Grösse des Napfes anzupassen. «Entscheidend ist, die individuellen Bedürfnisse jeder Katze zu erkennen und entsprechend zu handeln.»