Donald Trump: So berechnete Trump 61-Prozent-Zölle der Schweiz
Donald Trump spricht von 61-prozentigen Zöllen der Schweiz auf die USA. Die Berechnung dieser Zahl sei aber «idiotisch», sagt ein Experte.

Das Wichtigste in Kürze
- Die USA haben auf zahlreiche Länder ihre Zölle erhöht – auch auf die Schweiz.
- Für die Berechnung der neuen Tarife verwendete die US-Regierung etwas verwirrende Ansätze.
- Laut einem Wirtschafts-Experten ist das Vorgehen Trumps «idiotisch».
31 Prozent. So hoch sollen bekanntlich die US-Zölle auf die Schweiz werden.
Laut Trumps Rede am «Tag der Befreiung» wird er die US-Zölle jeweils auf die Hälfte der Zölle einzelner Länder auf die USA erheben. Heisst: Erhebt ein Land Zölle von 40 Prozent auf US-Produkte, so entgegnet die USA ihrerseits mit Zöllen von 20 Prozent.
Bei der Schweiz geht diese Rechnung augenscheinlich ziemlich genau auf: Die Schweiz erhebt Zölle von 61 Prozent auf die USA. Entsprechend sollen die Zölle der USA auf die Schweiz nun 31 Prozent betragen.
Auf den zweiten Blick wird man jedoch etwas stutzig: Seit dem 1. Januar 2024 wurden in der Schweiz jegliche Industriezölle aufgehoben. Lediglich auf einige Lebensmittel, Alkohol und Tabak wird ein Zoll verlangt.
Wie also ist die US-Regierung bei ihren Berechnungen bei 61 Prozent gelandet?
Die Berechnungen von Donald Trump
«Die Trump-Administration hat ausgerechnet, bei welchen Zöllen der Saldo der bilateralen Handelsbilanz null wäre, wobei nur Güter berücksichtigt wurden», erklärt Wirtschaftsexperte Reto Föllmi von der Universität St. Gallen.
«Der Saldo ist gleich dem Exportüberschuss der Schweiz, dieser wird ins Verhältnis zu den gesamten Exporten gesetzt», so Föllmi.
Heisst: Die Exporte der Schweiz in die USA minus die Importe aus den USA in die Schweiz wird nochmals dividiert durch die Exporte der Schweiz in die USA.
Daraus ergibt sich eine Prozentzahl, die ausdrückt, wie viel mehr die Schweiz in die USA exportiert als von ihr importiert.
«Die Pharmaindustrie, die einen grossen Exportanteil der Schweiz ausmacht, wurde von den Zöllen ausgenommen», fügt Föllmi an. «Das Ziel, eine ausgeglichene Handelsbilanz zu erreichen, kann nur schon darum nicht gelingen.»
US-Zoll-Politik «macht keinen Sinn»
Andererseits wäre die Prozentzahl der Schweiz wohl noch höher ausgefallen.
«Schweizer Exportprodukte werden in den USA durch Zölle teurer», erklärt Föllmi. Damit werde die gewünschte Wirkung – weniger Exporte – tatsächlich erreicht.
«Insgesamt sinken die Handelsdefizite aber nur, wenn die USA mehr im Inland produzieren. Dafür braucht es aber Arbeitskräfte und Kapital.»
«Sinnvoll ist die Politik aber nicht», so Föllmi. Eine bilaterale Handelsbilanz von Null anzustreben, sei regelrecht «skurril».
SVP-Nationalrat Matter glaubt an Rechenfehler
In der Schweizer Politik hat die ominöse Zoll-Berechnung bereits Wellen geschlagen.
Für den Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter steckt hinter der Aussage von Donald Trump wohl ein Daten- oder Rechenfehler.
In dieser Angelegenheit habe Matter bereits indirekten Kontakt mit einem früheren Botschafter der USA in der Schweiz Kontakt gehabt. Dies erklärte der Politiker am Donnerstagmorgen gegenüber der Keystone-SDA.
Man nehme an, dass die Prozentzahl auf einem falschen Datenset einer Wirtschaftsnachrichtenagentur beruhe.
Die Schweiz müsse nun unbedingt versuchen, die Daten richtigzustellen. Es gelte, konstruktiv mit den USA eine Lösung zu erreichen.