Erikas werden im Minutentakt über den Tisch gezogen
Experten sind sich einig: Enkeltrickbetrüger gehen gezielt auf alt klingende Vornamen im Telefonbuch los – zum Beispiel Erika und Alfred.
Das Wichtigste in Kürze
- Alte Vornamen stehen besonders im Fokus von Enkelbetrügern.
- Die Polizei erhalte Meldungen von Erikas im Minutentakt.
- Der beste Schutz sei, den Namen ganz aus dem Telefonbuch zu löschen.
«Es wird sehr intensiv nach einzelnen Vornamen vorgegangen», sagt Michael Wirz von der Stadtpolizei Winterthur. «Bei uns in der Einsatzzentrale sind fast im Minutentakt Anrufe von Erikas eingegangen.»
Die Rede ist von Telefonbetrügern. Ihre miese Masche: Sie wollen gezielt ältere Menschen über den Tisch ziehen.
Wirz erzählt bei TeleZüri, dass die Täterinnen und Täter im Telefonbuch nach alt klingenden Namen suchen. Neben Erika sind also auch Gertrud, Hildegard und Alfred die Zielscheibe.
Sogenannte Schocktelefone von organisierten Betrügern kommen in letzter Zeit häufig vor. Ältere Menschen werden angerufen von einem vermeintlichen Kind oder Enkelkind, das sich in einer Notsituation zu befinden scheint. Die Person am anderen Ende der Leitung sucht emotional Hilfe, oftmals in Tränen aufgelöst.
Telefonbetrüger haben auf jede skeptische Frage die «perfekte Antwort»
Wenn die ältere Person darauf hineinfällt, geht das Spiel los: Als Nächstes hat man einen vermeintlichen Kommissar am Telefon. Daraufhin einen Fachermittler, einen Richter und später noch jemand von der Staatsanwaltschaft. Natürlich alles Betrüger.
Das Ziel? Abzocke. Und zwar auf äusserst manipulative Art und Weise. Komiker und Journalist Cedric Schild und sein «Izzy»-Team sind den Betrügern mit intensiver Recherche auf die Schliche gekommen. Ihr Film ist gerade in aller Munde.
Bei den Betrügern handle es sich um Profis, erklärt Schild bei TeleZüri. «Die sind perfekt vorbereitet. Sie machen den ganzen Tag nichts anderes als telefonieren», sagt Schild.
Und ihre Tricks hätten sie über Jahre ausgeklügelt und perfektioniert. Schild: «Sie haben auf jede skeptische Frage die perfekte Antwort parat.»
Betrüger üben «starken Druck» aus
Was also tun bei einem Schockanruf? Sich direkt bei der Polizei zu melden, sei essenziell für die Überführung der Betrügerinnen und Betrüger, so Wirz. Die Polizei könne nur ermitteln, wenn es Anzeigen gebe.
Auch wer denkt: «Mir könnte so etwas nie passieren!», kann Opfer werden, warnt er. «Die Betrüger schaffen es, ihre Opfer in eine psychologische Abhängigkeit zu bringen und sie gleichzeitig unter starken Druck zu setzen.»
Als Präventionsmassnahme empfehlen die beiden Experten, am besten gleich seine eigene Telefonnummer aus dem Telefonbuch zu entfernen. Wer aber gerne im Telefonbuch stehen möchte und einen alten Namen trage, zum Beispiel eben Alfred, schreibe besser nur A.