Liebeskummer gleicht einem kalten Drogenentzug

Nadine Brügger
Nadine Brügger

Bern,

Am Tag der Verliebten gehen sie vergessen: Jene mit pochendem Liebeskummer. Zusammenreissen ist hart, wirkt eine Trennung doch ähnlich, wie ein Drogenentzug.

Person
Ansonsten sind die Trennungskinder später weniger glücklich und weniger gesund als Kinder aus intakten Familien. (Symbolbild) - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Körper von Verliebten produziert vermehrt Glückshormone wie Serotonin und Dopamin.
  • Das führt zu einem High wie bei einer Droge. Endet die Liebe, wirkt das wie ein Entzug.
  • Schuld am Schmerz ist jenes System im Hirn, das uns Menschen sozial und monogam macht.

Herzen in den Supermarkt-Regalen, Rosen vor den Läden und küssende Paare soweit das Auge reicht. Heute ist Valentinstag.

Den Einen sprudelt das Glück heute praktisch aus den Ohren. «Untersuchungen von Verliebten haben gezeigt, dass ihr Dopamin- und Serotonin-Level höher ist», erklärt Psychologe Koni Rohner. «Liebe wirkt im Hirn wie eine Droge. Es werden die gleichen, belohnenden Hormone ausgeschüttet – und sie wirken auch am gleichen Ort im Gehirn.»

Chemie von Liebe und Sucht ist gleich

Mit anderen Worte: «Von der Chemie her ist eine starke Verliebtheit wie eine Drogensucht.» Und wie bei der Drogensucht, verhält es sich auch in der Liebe: Fehlt die Droge, kommt der Entzug.

«Wenn die geliebte Person nicht mehr zur Verfügung steht, erleben Verlassene Entzugserscheinungen, die jenen bei einem Drogenentzug gleichen», erklärt der Psychologe Hansjörg Znoj, der an der Universität Bern forscht.

Liebeskummer biologisch bedingt

Doch warum reagiert unser Körper auf Liebe gleich wie auf Drogen? «Das ist in erster Linie biologisch bedingt: Der Mensch ist ein soziales Tier und lebt relativ monogam. Damit das funktioniert, hat er ein System entwickelt, das es ihm erlaubt, langfristige soziale Bindungen einzugehen. Dieses System belohnt uns, wenn wir uns an eine Person binden», so Znoj.

Hansjörg Znoj
Professor Hansjörg Znoj forscht an der Universität Bern auf dem Gebiet der Neurowissenschaften. - Uni Bern

Das System, welches uns liebesfähig macht, ist also dafür verantwortlich, dass Liebeskummer so saumässig weh tun kann. «Wir konsumieren die geliebte Person, ähnlich wie eine Droge. Wir bekommen von ihr Zuwendung, Bestätigung, Sicherheit, Liebe und Sex. Steht sie nicht mehr zur Verfügung, reagiert unser Liebes-System mit Entzugserscheinungen.»

Das hilft bei Liebeskummer

Was dann hilft? «Das, was bei jedem Entzug hilft: Das Suchtmittel meiden», sagt Rohner. Wer verlassen wird, soll jeglichen Kontakt zum Ex-Partner meiden. «Orte, Lieder oder Bilder, die einen an die Person erinnern, sollten gemieden werden. Auf den sozialen Medien sollte die Person am besten erstmal gelöscht werden. Erinnerungsstücke gehören in den Müll», so der Therapeut weiter.

Professor Koni Rohner
Koni Rohner ist Professor der Psychologie, Psychotherapeut und Lifecoach in Schwerzenbach ZH. - zvg

«Das Einzige, woran man sich direkt nach einer Trennung erinnern sollte, sind die schlechten Seiten der Person. Negative Eigenschaften und Erinnerungen helfen, Distanz zu gewinnen.» Erst, wenn die Trennung einigermassen überwunden ist, sei es wieder okay, in Erinnerungen zu schwelgen.

Neben dem kalten Entzug setzen viele Abhängige auf eine Ersatzdroge. Beim «Trostpflästerli», da sind sich die Experten einig, handle es sich selten um die grosse Liebe. «Besser, als sich einen neuen Partner zu suchen, sind andere Ersatzdrogen: Sich mehr auf ein Hobby konzentrieren oder Freunde zu treffen», so Rohner.

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