Feuerwehr

Martin Jucker: Alarm für die Miliz-Feuerwehr Wetzikon-Seegräben

Martin Jucker
Martin Jucker

Wetzikon,

«Milizfeuerwehr ist mein Hobby. Ich wurde da sozusagen hineingeboren», schreibt der gelernte Obstbauer Martin Jucker in seiner Kolumne.

Martin Jucker
Martin Jucker hier im Einsatz für die Feuerwehr Wetzikon-Seegräben. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Martin Jucker betreibt die bekannte «Jucker Farm» in Seegräben ZH.
  • Jucker ist zudem in der Milizfeuerwehr seiner Gemeinde tätig.
  • Zwischen vierzig und achtzig Mal pro Jahr rückt er dabei zu Ernstfällen aus.

150- bis 200-mal jährlich wird die Feuerwehr Wetzikon-Seegräben alarmiert. Wenn auch mein Pager piept, heisst das, dass gerade mein Tagesprogramm neu geschrieben wird. Menschenleben gehen immer vor.

Ich verlasse also das wichtige, lange geplante Meeting innerhalb von Sekunden und fokussiere mich voll und ganz auf die Aufgabe, die vor mir liegt.

Voller Fokus ist gefragt

Im Kopf geht ein Schalter um. Dann bin ich nicht mehr Martin Jucker von der «Jucker Farm». Ich bin auch nicht mehr der Ehemann oder Familienvater. Ich bin jetzt zu hundert Prozent Angehöriger der Feuerwehr Wetzikon Seegräben.

Wenn es um Menschenleben geht, dann geht das nicht mit halber Konzentration. Es ist voller Fokus gefragt. Ich engagiere mich für die Öffentlichkeit und mein Arbeitgeber profitiert mit.

Es gibt bei uns keine Berufsfeuerwehr. Das heisst, dass wir als Milizfeuerwehr alle Aufgaben der Feuerwehr abdecken.

Kein einfaches Hobby

Natürlich gibt es da auch Situationen und Aufgaben, bei denen es nicht um Menschenleben geht: Beispielsweise Tiere zu retten oder die Umwelt oder Sachwerte schützen, gehört genauso zu unseren Aufgaben wie Feuer löschen.

Bei vielen Alarmen wird nur ein Teil der 85 Angehörigen unserer Feuerwehr benötigt und alarmiert. Trotzdem: Ein einfaches Hobby ist Feuerwehrmitglied sein nicht.

Ich selber rücke zwischen vierzig und achtzig Mal pro Jahr zu Ernstfällen aus.

Ist die freiwillige Feuerwehr auch etwas für dich?

Um dafür bereit zu sein, besuche oder leite ich rund dreissig Übungen pro Jahr. Bei der Gebäudeversicherung Kanton Zürich darf ich dann noch ein paar Weiterbildungstage besuchen.

Dieses Pensum ist das eines Milizoffiziers in einer Zürcher Feuerwehr, die für die Sicherheit von 28'000 Einwohner*innen von zwei Gemeinden sorgt. Als Soldat*In halbiert sich der zeitliche Aufwand.

Wieso mache ich das?

Milizfeuerwehr ist ein Hobby. Mein Hobby. Ich wurde da sozusagen hineingeboren.

Mein Vater war schon Kommandant der Feuerwehr Seegräben und hat mich mit diesem Virus infiziert. Ich bin dadurch mit 18 Jahren der Feuerwehr beigetreten und nicht mehr davon losgekommen.

Martin Jucker
Martin Jucker von der bekannten «Jucker Farm» in Seegräben ZH. - zvg

Die Feuerwehr ist aber weit mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Eine Milizfeuerwehr lebt von der Diversität.

Leute aus allen denkbaren Schichten

Wir sind zwar keine Feuerwehr-Profis, aber wir alle haben einen Beruf und einen Rucksack an Erfahrungen, die wir aus dem Privat- und Berufsleben mitbringen.

Wir haben Leute aus allen denkbaren Schichten und Berufen der Gesellschaft. Diese Gemeinschaft ist ein wichtiger Grund, warum ich dabei sein will.

Ich habe so ein Umfeld, Kontakte und Erlebnisse mit unterschiedlichsten Menschen, die alle vereint sind durch eine höhere Motivation.

Nur durch diese Unterschiede sind wir in der Lage, all die komplexen und oft grossen Probleme, zu denen wir gerufen werden, zu meistern.

Die Ausbildung ist nie zu Ende

Ich hatte das Privileg, dass ich sehr früh Karriere machen durfte. Damit konnte ich Weiterbildungskurse besuchen, die mir auch im beruflichen Alltag sehr viel gebracht haben.

Ich wurde in Methodik/Didaktik geschult, Persönlichkeitsbildung, Führungsausbildung, Taktik, Strategie und natürlich dem Feuerwehrhandwerk.

Ganz besonders gut ist natürlich die Ausbildung in Krisenmanagement. Weiter habe ich sehr schnell begriffen, dass die Ausbildung nie zu Ende ist. Ich kann nur mit ständiger Weiterbildung und ständigem Training fit genug bleiben.

Fit genug, um in bedrohlichen und extrem dringenden Situationen schnell und richtig zu handeln.

Ich liebe «Desaster Management»

Bei unzähligen kleineren und grösseren Krisen in meinem Unternehmeralltag konnte ich auf das Gelernte zurückgreifen. Ich hatte und habe die Werkzeuge in der Hand, um komplexe, grosse Themen zielgerichtet anzugehen. So profitiert also auch die «Jucker Farm» von meiner Abwesenheit an der wichtigen Sitzung.

Juckerfarm
Beliebtes Ausflugsziel: Der Erlebnishof Jucker Farm in Seegräben (ZH). - Nau.ch / Simone Imhof

Ich gehöre zu den Menschen, die erst warm werden, wenn es richtig heiss ist. Ich liebe «Desaster Management». Ich brauche Druck, um leistungsfähig zu werden.

Bei der Feuerwehr kriege ich das oft und erst noch in grosser Dosis. Gleichzeitig ist das für die Betroffenen häufig eine sehr schwere Situation.

Anderen Menschen in grosser Not und oft totaler Überforderung zu helfen, ist eine Aufgabe, die sehr viel zurückgibt.

An einen Schadenplatz zu kommen und zu spüren, wie gross die Erleichterung der Betroffenen darüber ist, dass Hilfe eintrifft, ist für das Feuerwehr-Engagement die grösste Entlöhnung.

Lohnt sich das für den Arbeitgeber?

Alle Angehörigen einer Feuerwehr belasten ihr Arbeitsumfeld.

Ja, es kann vorkommen, dass im dümmsten Moment ein Alarm kommt – und die Arbeitskollegen und -Kolleginnen alleine dastehen.

Umgekehrt profitiert aber das ganze Arbeitsumfeld auch von der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute.

Die Angehörigen einer Feuerwehr sind diejenigen, die in der Krise die Initiative ergreifen. Sie sind schon da bei einem Unfall im Betrieb und sie wissen, was zu tun ist.

Oft bringen sie sich auch im Betriebssicherheitsbereich ein und sind allgemein die Menschen, die gerne Verantwortung übernehmen. Zusammengefasst: «Solche Mitarbeitenden wünscht sich jede Führungsperson.»

Es ist für eure Sicherheit!

Mein Tipp an alle Arbeitgeber: «Sorgt dafür, dass ihr möglichst viele Angehörige einer Milizfeuerwehr in eurem Betrieb habt. Ihr werdet mehr zurückbekommen als ihr geben müsst.»

Mein Wunsch an die Bevölkerung: «Denkt daran, dass die Feuerwehr eine Notfallorganisation ist. Wir werden aktiv, wenn wir gerufen werden. Und egal was wir machen, auch wenn es euch gerade stört: Es ist für eure Sicherheit!»

Zur Person: Martin Jucker ist gelernter Obstbauer und hat sich mit der «Jucker Farm» in Seegräben ZH über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Er steht für innovative, nachhaltige und unabhängige Landwirtschaft. 2014 wurde er zusammen mit seinem Bruder Beat, als bisher einziger Bauer, zum Schweizer Unternehmer des Jahres gewählt.

Kommentare

User #6424 (nicht angemeldet)

Es gibt keine freiwillige Feuerwehr in der Schweiz! Das gibt es in Deutschland. Man zahlt ja wenn man nicht in die Feuerwehr geht. Also nicht freiwillig

User #4320 (nicht angemeldet)

Schöne gratis Werbung für die Jucker Farm. Schade das man für sowas die Feuerwehr missbraucht.

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