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Patienten haben weniger Vertrauen in Ärzte

Dina Müller
Dina Müller

Zürich,

Die Patient-Arzt-Beziehung ist längst nicht mehr dasselbe wie vor 50 Jahren. Das Vertrauen habe abgenommen, sagt ein Medizinhistoriker.

Arzt Patient Vertrauen
Das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten hat sich laut einem Medizinhistoriker klar verändert. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Verhältnis zwischen Patient und Arzt hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt.
  • Heute wollen Patienten mehr Mitspracherecht und mehr Informationen.
  • Gesundheit wird immer mehr zu einer Ware.

Wer in der Schweiz Arzt oder Ärztin werden will, muss hierzulande eine lange und aufwendige Ausbildung absolvieren. Nach sechs Jahren Medizinstudium folgen noch mindestens fünf Jahre Assistenzzeit.

Trotz dieser ausführlichen Ausbildung nimmt laut Umfragen das Vertrauen von Patienten zu ihren Ärzten in der Schweiz ab.

Denn: Viele fühlen sich falsch behandelt oder nicht ernst genommen.

Vom «Retter» zu einem Verhältnis auf Augenhöhe

Dass sich das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten verändert hat, bestätigt auch Medizinhistoriker Flurin Condrau gegenüber Nau.ch.

Im 19. Jahrhundert sei der Arzt noch als «Retter der leidenden Menschheit» konzipiert worden.

Flurin Condrau Medizinhistoriker
Flurin Condrau ist Medizinhistoriker an der Universität Zürich. (Archivbild) - keystone

Heute sehe man eher ein «partnerschaftliches Modell auf Augenhöhe», in dem Patienten grosses Mitspracherecht erhalten. Sie wollen informiert werden, womit Vertrauen laut Condrau seine ursprüngliche Bedeutung verliere.

Also ein Vertrauensverlust.

«Kritische Haltung» hat zugenommen

Monika Reber, Co-Präsidentin des Schweizer Verbands für Haus- und Kinderärzte, will davon aber nichts wissen: «Einen Vertrauensverlust können wir nicht bestätigen.»

Haus- und Kinderärzte würden sogar eher das Gegenteil erleben – insbesondere, wenn eine langfristige Beziehung bestehe.

Reber räumt jedoch ein: «Zugenommen hat sicherlich eine kritische Haltung und der Wunsch nach guter und differenzierter Information und Mitbestimmung.»

«Dr. Google nicht immer der beste Ratgeber»

Das hat auch mit dem Internet zu tun. Dank ihm ist der Zugang zu Informationen – ob richtig oder falsch – leichter denn je.

Dass sich Patienten mit ihrer Gesundheit befassen würden, sei wichtig und richtig, so Reber.

Vertraust du Ärztinnen und Ärzten grundsätzlich?

Sie warnt jedoch: «Diese Informationen dürfen professionelle Diagnosestellung und Beratung nicht ersetzen, sondern höchstens ergänzen.»

Denn: «Dr. Google ist nicht immer der beste Ratgeber.»

Google Internet Diagnosen
Im Internet findet man zahlreiche Informationen zu Krankheiten und Symptomen. Nicht alles ist jedoch richtig. (Symbolbild) - pexels

Auch Condrau hält fest: «Nicht alles, was im Internet steht, ist auch wahr oder wenigstens wissenschaftlich haltbar. Das zwingt den Arzt heutzutage dazu, dem ‹informierten Patienten› Richtiges vom Unrichtigen zu unterscheiden.»

Patienten nehmen sich als Kunden wahr

Auch durch den wirtschaftlichen Aufbau des Gesundheitssystems verliere Vertrauen immer mehr an Wichtigkeit.

«Unser Gesundheitswesen basiert im Wesentlichen auf Preisen als Steuerungsmechanismen», sagt Condrau.

Die Folge: Patienten würden sich selbst zunehmend als Marktteilnehmer verstehen. Dazu gehöre ein Anspruch auf Mitspracherecht, Forderungen und das Anstreben der bestmöglichen Behandlung.

Das bestätigt auch Susanne Gedamke von der Patientenorganisation Schweiz: Der Arztberuf sei heutzutage vielmehr ein Dienstleistungsberuf. «Manchmal sogar in Richtung ‹Patient als Kunde›.»

Arzt Patient Spital
Viele Patienten verstehen sich heutzutage vielmehr als «Kunde». (Symbolbild) - keystone

Die Rolle der Patienten würde dadurch gestärkt, was Gedamke positiv findet. Ungünstig sei jedoch, dass «auch viele Fehlinformationen kursieren und die Ansprüche gegenüber medizinischen Dienstleistungen sehr hoch sind.»

Condrau urteilt: «Vertrauen lässt sich im ‹Supermarkt Gesundheit› kaum mehr aufrechterhalten, wenn Gesundheit zu einer ‹Ware› wird.»

Experte: «Vertrauen durchaus wichtig»

Dabei sei Vertrauen eine wichtige Grösse in der wissenschaftlichen Medizin, so Condrau. «Die Verwissenschaftlichung der Medizin im 19. Jahrhundert förderte Konzepte und auch eine Sprache, die vom Patienten nicht mehr verstanden wird.»

Es sei daher oft grundlegendes Vertrauen notwendig, damit der Patient den Ratschlägen des Arztes folgen würde.

Warst du bisher zufrieden mit deinen ärztlichen Behandlungen?

Gerade angesichts der hohen Gesundheitskosten in der Schweiz sei ein solches Vertrauen «durchaus wichtig», so der Medizinhistoriker.

Denn: Gute Hausärzte würden auch mal nichts tun, anstatt «jeden Patienten direkt zum Spezialisten oder ins Spital zu überweisen».

Dieses Nichtstun kann laut Condrau jedoch nur verstanden werden, wenn grundlegendes Vertrauen da ist.

Ärzte Vertrauen Patient
Vertrauen in Ärzte ist laut einem Medizinhistoriker wichtig, damit weniger Interventionen durchgeführt werden müssen. (Symbolbild) - keystone

In der Spitalmedizin sollte man sich aber vor allzu viel Vertrauen «vermutlich hüten».

Denn Condrau bezweifelt, dass Spitäler wirklich in der Lage sind, im Interesse der Patienten auf mögliche Interventionen zu verzichten. Der Kostendruck sei dafür zu hoch.

Auch Gedamke von der Patientenorganisation hält Vertrauen für besonders wichtig. Absolut zentral sei aber auch, dass Patienten ausreichend und verständlich informiert werden. Und «ernst genommen zu werden».

Umso wichtiger sei daher eine gute Kommunikation: «Es könnten etliche schwierige Situationen, teilweise sogar Rechtsfälle, abgewendet werden, wenn insbesondere Ärzte abgestimmter, wohlüberlegter und empathischer kommunizieren würden.»

Kommentare

User #5678 (nicht angemeldet)

Die guten Ärzte die ich kannte sind schon lange pensioniert.

User #5112 (nicht angemeldet)

Kontrolle beim Augenarzt, läserbehandlung innerhalb 6-9 Wochen nötig. Auf die Kostenfrage meinte sie nur, das zahlt die Krankenkasse.da ich 2500 fr Selbstbehalt habe, wollte ich die Kosten schon wissen. Rücksprache bei meiner Krankenkasse ergab, ohne Kostengutsprache keine Kostenübernahme. Holte mir 2 te Meinung bei einem anderen Arzt wo ich auch nur einen kontrolltermin vereinbart hatte. Der 2. Arzt hat den Professor Titel. Keine Läserbehandlung nötig zum jetzigen Zeitpunkt nötig, nur sollte man es imAuge behalten Vielleicht nötig wenn sich die Augen verschlechtern. Jetzt kommt das beste , bei der ersten Ärztin hat die gleiche Untersuchung doppelt soviel gekostet. Kontrolle der Rechnung, gleiche Taxpunkte verrechnet. Nach Reklamation plötzlich Rechnung angepasst und gleich teuer wie beim zweiten Arzt. Augen auf bei der Arztwahl und Kontrolle der Rechnungen.

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