Stangen nachgeworfen: Förster werden von Spaziergängern attackiert

Marie Augustin
Marie Augustin

Laufental,

Förster sind auch dafür zuständig, Bäume zu fällen, damit andere überleben können. Nicht alle Spaziergänger wissen das – und gehen auf die Waldarbeiter los.

Förster Basel
Baselbieter Förster werden vermehrt beschimpft und beleidigt. - SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Baselbieter Förster berichten von Beschimpfungen und Attacken durch Waldbesuchende.
  • Diese verstehen das Bäumefällen oft nicht als Waldpflege, sondern als Beschädigung.

Als Christian Becker bei Grellingen BL mit seinen Kollegen einen Berg-Ahorn fällen will, erklärt er: «Wir pflegen die Bäume, die wir in den nächsten 50 oder 60 Jahren fördern und behalten wollen.» Damit diese gedeihen können, muss der Berg-Ahorn weichen.

Als «positive Auslese» bezeichnet der Revierförster diese Art der Waldwirtschaft bei SRF.

Doch viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger sehen nur das Absägen der Bäume, ohne die Hintergründe dazu zu kennen. Für sie ist das Fällen eine Beschädigung des Waldes – und das lassen sie die Förster oftmals spüren.

Bäume fällen Förster angegriffen
Dass ein Forstwart einen Baum fällt, ist oftmals notwendig – wird aber häufig falsch verstanden. (Archivbild) - keystone

Oftmals käme es zu frustrierenden Gesprächen, die in Beschimpfungen ausarten, berichtet Becker.

Einmal hätten die selbsternannten Waldschützenden die Reifen der Waldfahrzeuge aufgestochen. Auch Blachen würden oftmals verschnitten oder Material werde in den Wald geworfen. An einigen zum Fällen gekennzeichneten Bäumen habe der Revierförster zudem «Lasst uns Leben»-Plakate vorgefunden.

Forstwart
Forstwart Andreas Zuber berichtet: «Holzstangen wurden uns auch schon hinterhergeworfen.» - SRF

Ein weiterer Forstwart, Andreas Zuber, berichtet gar von Menschen, «die auf uns zurennen oder aggressive Bewegungen machen». «Holzstangen wurden uns auch schon hinterhergeworfen», so Zuber.

Bist du gerne im Wald unterwegs?

Die Anfeindungen beschränken sich nicht nur auf das Baselbiet, äussert der Verband Schweizer Forstpersonal gemäss SRF.

Während der Covid-Pandemie seien vermehrt Leute in den Wald geströmt, die sich dort vorher nicht aufhielten. Mehrere von ihnen scheinen das Bäume-Fällen noch nicht als Waldpflege zu sehen, sondern es als reine Holzernte.

Das Amt für Wald beider Basel wünscht sich daher Aufklärung vonseiten der Waldbesitzenden: «Wenn sie selbst hin stehen und erklären würden, weshalb es Baumfällungen gibt, könnten sie das Personal etwas in Schutz nehmen.»

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Kommentare

User #101 (nicht angemeldet)

Ein Baum, der 120 Jahre brauchte um verwendet werden zu können, ist innert 5 Minuten gefällt. Mmein Grossvater schaute manchmal an einem Baum empor und sagte, das gäbe einen schönen Stubenboden - aber unserer ist ja noch gut. Also blieb er stehen. Sein Stubenboden hatte eine Brettbreite von einem Meter. Das gibt es heute nicht mehr. Daher werden heute nur noch Holzgegenstände aus "Gfotz" (Abfall) hergestellt. Mein Sarg wird dannzumal aus Spahnplatten sein.

User #1100 (nicht angemeldet)

Bevor der Wald ins wirtschaftliche Interesse rückte, war er Urwald und existierte hundertausende von Jahren ohne Förster. Danach förderte man schnellwachsende, problembehaftete Monokulturen. Heute hat es zu wenig Nutzholz und man treibt offiziell verbotene Rodung. Wer sich überzeugen will, der schaue sich die Schaffhauser Wälder an. Der waldreichste Kanton der Schweiz. Da arbeiten wenige Forstwarte, dafür um so mehr Roboter.

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