Zockt Bund Einkaufstouris an Grenze ab?
Der Bund lässt Einkaufstouris an der Grenze teilweise das Dreifache der eigentlichen Steuer blechen. Schuld ist eine App, deren Korrektur dem Bund zu teuer ist.
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Das Wichtigste in Kürze
- Neu fallen an der Grenze ab einem Einkauf von 150 Franken 8,1 Prozent Mehrwertsteuer an.
- Eine App schafft Abhilfe und lässt Einkaufstourist die Steuer simpel bezahlen.
- Problem: Sie berechnet bei einigen Produkten eine viel zu hohe Steuer!
Ab 150 Franken Warenwert wird’s bitter: Einkaufstouris müssen seit 2025 die volle Schweizer Mehrwertsteuer blechen. Bisher galt das erst ab 300 Franken.
Und das, nachdem sie 2024 von 7,7 Prozent auf 8,1 Prozent angehoben wurde.
Immerhin versucht Deutschland, den Einkaufstourismus für Herr und Frau Schweizer weiterhin attraktiv zu gestalten.
Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) stellt indes die App QuickZoll bereit. Quittung hochladen, Steuerbetrag berechnen, direkt zahlen – so einfach klingt es.
Doch wie der «Tagesanzeiger» nun aufgedeckt hat, ist das Ganze ein viel zu teurer Spass.
Denn die App kassiert den vollen Steuersatz von 8,1 Prozent. Selbst bei Waren, die eigentlich dem reduzierten Satz von 2,6 Prozent unterliegen.
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Betroffen sind Lebensmittel, alkoholfreie Getränke, Bücher, Zeitungen, Medikamente sowie Tampons und Binden.
Ein Beispiel, das schockiert
Wer sich für 300 Franken Bücher gönnt und dazu alkoholfreies Bier im Wert von 50 Franken kauft: Der müsste am Zoll eigentlich nur 9,10 Franken abdrücken.
Doch was macht die App? Die verlangt 28,35 Franken – mehr als das Dreifache.
Bundesamt zu Abzocke: «Alles transparent»
Auf Anfrage der Zeitung gibt sich das Bundesamt uneinsichtig. Die App sei «transparent und offen».
Schliesslich werde gleich beim ersten Start darauf hingewiesen, dass standardmässig 8,1 Prozent berechnet werden.
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Die Begründung: Man habe «im Interesse einer möglichst einfachen und schnellen Lösung» auf die Umsetzung verschiedener Steuersätze verzichtet.
Wann kommt Besserung?
Erst 2026 soll die App den korrekten Steuersatz von 2,6 Prozent berechnen. Der Grund?
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Der Bund wollte bei der Einführung der App im Jahr 2018 Kosten sparen.
Begründet wurde dies so: «Es ist ein grundlegendes Redesign der App QuickZoll notwendig, was mit hohen Kosten und zusätzlichem Ressourcenbedarf verbunden ist.»
Kritik von Experten
Steuerexperte Martin Kocher rügt den Bund scharf gegenüber der Zeitung: Eine Rechtsgrundlage für eine solche Vereinfachung, wie sie die QuickZoll-App anwendet, sei nicht gegeben.
Kocher vermutet sogar, dass sich der Bund ins eigene Fleisch schneidet: Eine derartige App «fördert tendenziell Falschbesteuerungen und den Einfuhrschmuggel».