Hoffnung für Boualem Sansal: Begnadigung möglich?
Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Experten sehen Chancen auf eine Begnadigung des kranken Autors.

Der franko-algerische Schriftsteller und Friedenspreisträger Boualem Sansal wurde in Algerien zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Hintergrund sind kritische Aussagen über Algeriens Kolonialpolitik in einem Interview mit dem französischen Medium «Frontières».
Laut «Zeit» wirft man ihm vor, die nationale Einheit und Sicherheit Algeriens gefährdet zu haben. Sansal verteidigte sich im Schnellverfahren selbst.

Die Verurteilung erfolgte inmitten einer angespannten Phase der erinnerungspolitischen Auseinandersetzungen zwischen Algerien und Frankreich. Diese wurde durch Frankreichs Unterstützung Marokkos in territorialen Fragen zusätzlich verschärft.
Boualem Sansal seit 2024 in Haft
Sansal war bereits im November 2024 bei seiner Einreise nach Algerien am Flughafen von Algier festgenommen worden. Seitdem befindet er sich in Haft.
Der krebskranke Autor trat zwischenzeitlich in einen Hungerstreik, den er aus gesundheitlichen Gründen wieder beendete. Sein französischer Anwalt François Zimeray durfte ihn bisher nicht besuchen.
Zimeray kritisierte das Verfahren als ungerecht und appellierte an den algerischen Präsidenten, Menschlichkeit walten zu lassen. «FAZ» berichtet, dass die Anklagepunkte mehrfach variierten und keine Öffentlichkeit zugelassen war.
Begnadigung als Hoffnungsschimmer
Der Fall hat weltweit Proteste ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bat den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune um Milde, wie «Tagesspiegel» schreibt.

Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderte Sansals Freilassung und bezeichnete das Urteil als Angriff auf die Meinungsfreiheit.
Verurteilung sendet doppelte Botschaft
Der algerische Autor Kamel Daoud vermutet laut «Zeit», dass die Härte gegen Boualem Sansal eine doppelte Botschaft senden soll: Das ist zum einen die Unnachgiebigkeit gegenüber Frankreich.
Zudem sei sie eine Warnung an junge algerische Autoren, dass frankophone Kultur und Debatten in Algerien keinen Platz mehr haben. Daoud selbst lebt seit zehn Jahren im französischen Exil.
Politikwissenschaftler Claus Leggewie sieht vorsichtige Chancen auf eine Begnadigung. Er argumentiert, dass Algerien durch eine schnelle Verurteilung sein Gesicht wahren könnte, um anschliessend einen diplomatischen Kompromiss mit Frankreich einzugehen.
Boulamen Sansal: Ein Blick auf seine Werke
Boualem Sansal, geboren 1949 in Theniet El Had, Algerien, ist ein renommierter frankophoner Schriftsteller und Ökonom. Er begann seine Karriere als Ingenieur und Beamter, bevor er sich mit 50 Jahren dem Schreiben widmete.
Seine Werke sind bekannt für ihre Kritik an Islamismus und politischer Willkür. Mit «Das Dorf des Deutschen» schuf er den ersten Roman aus der arabischen Welt über den Holocaust.
Sansal erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011. Seine Bücher verbinden historische Themen mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen.