Bundesrat Martin Pfister pfeift auf Franz-Kurs
Ist sein Französisch gefragt, kommt Bundesrat Martin Pfister regelmässig ins Straucheln. Trotzdem besucht er keinen Unterricht. Amtskollegen sind fleissiger.
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Das Wichtigste in Kürze
- Bundesrat Martin Pfister hat in den letzten 25 Jahren kaum noch Französisch gesprochen.
- In einen Kurs geht er deswegen aber nicht.
- Die Innenministerin und der Wirtschaftsminister büffeln derweil Englisch.
Mühelos hat Martin Pfister die Wahl in den Bundesrat geschafft. Weniger geglänzt hat der Zuger mit seinem Französisch.
Im Wahlkampf geriet der Mitte-Bundesrat in französischen Interviews regelmässig ins Stocken. Eine Journalistin wollte wissen, ob er den Eindruck habe, im Hearing mit der FDP überzeugt zu haben.
«Oui, je pense, j'ai... j'ai ... äh ... demandé toutes les questions du groupe», antwortete Pfister. Der Satz war nicht nur holprig, sondern kam auch verkehrt heraus.
Wortwörtlich auf Deutsch übersetzt sagte er: «Ich habe alle Fragen der Gruppe gefragt.» Wohl wollte er sagen, dass er alle Fragen «beantwortet» habe (siehe Video oben).
«Ähm, comment on dit?»
An der Medienkonferenz nach der Bundesratswahl kam Pfister erneut ins Straucheln. «Ähm, comment on dit?», fragte er, als er nach dem französischen Wort für «institutionelle Fragen» suchte.
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Einen harten Brocken setzte ihm eine Journalistin aus Genf vor. Ihr sollte er die Schweizer Neutralität erklären. Während seiner Ausführungen kam Pfister immer wieder ins Stocken.
Auch musste ihm der Bundesratssprecher die französische Übersetzung für «Kern» und «Botschaft» einflüstern.
Erneut aus der Patsche half ihm der Bundesratssprecher bei einer weiteren Frage aus der Westschweiz. Es ging um die Übersetzung von «Entlastungsprogramm».
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Bekannter habe Bundesrat geholfen
Am 1. April hat der Verteidigungsminister sein Amt angetreten. Französisch-Unterricht nimmt er deswegen aber nicht.
Lorenz Frischknecht, Mediensprecher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung und Bevölkerungsschutz (VBS), erklärt gegenüber Nau.ch den Grund. Bundesrat Pfister habe 1991 längere Zeit Militärdienst in Genf geleistet, sagt er.
Zu dieser Zeit habe er den Grad des Kompanie-Kommandanten in Genf abverdient, sagt Frischknecht. Gleichzeitig habe er an der Universität Freiburg studiert.
In den vergangenen 25 Jahren sprach Pfister laut Frischknecht jedoch kaum noch Französisch. «Aus diesem Grund frischte er sein Französisch während der Kampagne für die Bundesratswahl mit einem Bekannten wieder auf.»
Bundesrat Martin Pfister pflege zudem zahlreiche Kontakte mit Politikerinnen und Politikern aus der Romandie, sagt sein Sprecher.
Jede Woche Englisch büffeln
Fremdsprachen-Unterricht zu nehmen, ist bei den amtierenden Bundesrätinnen und Bundesräten jedoch nicht Tabu.
SP-Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider besucht seit 2023 einen Englisch-Sprachkurs. «Im Einzelunterricht bei einem diplomierten Sprachlehrer», sagt ihr Mediensprecher Christoph Lenz.
«Der Kurs findet in der Regel wöchentlich statt und dauert jeweils eine Stunde.» Ziel sei die Verbesserung der Sprachkenntnisse für internationale Kontakte, sagt Lenz. Solche pflege Baume-Schneider etwa im Rahmen der G20-Gesundheitsministertreffen.
Auch SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin feilt an seinen Fremdsprachenkenntnissen.
Lehrerin aus Neuseeland
Er absolviere seit seinem Amtsantritt gelegentlich private Englischstunden mit einer ausgebildeten Englischsprachlehrerin, bestätigt seine Mediensprecherin Irène Harnischberg. Die Lehrerin stamme ursprünglich aus Neuseeland.
«Dabei geht es darum, den englischen Wortschatz aus der Welt des WBF zu üben und zu wiederholen». Es würden etwa Texte und Zeitungsartikel gelesen und diskutiert, so Parmelins Sprecherin.
SVP-Energieminister Albert Rösti träumt von einem Italienischkurs. «Er würde gerne besser Italienisch reden», sagt seine Sprecherin Franziska Ingold. Die volle Agenda lasse einen Kurs derzeit aber nicht zu.
FDP-Bundesräte können es schon
Die Fremdsprachen-Champions im Bundesrat sind Karin Keller-Sutter und Ignazio Cassis. «Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter spricht fliessend Französisch», sagt ihr Sprecher Grégoire Gogniat. Auch Englisch beherrscht die ausgebildete Dolmetscherin perfekt.
Auch FDP-Aussenminister Ignazio Cassis hat keinen Fremdsprachenkurs nötig. Italienisch ist die Muttersprache des Tessiners. Auch spricht er fliessend Deutsch. «Die Frage nach Sprachkursen stellt sich bei Bundesrat Ignazio Cassis nicht», so sein Sprecher.
Keine Angaben machte das Departement von Justizminister Beat Jans. Laut der Bundeskanzlei organisieren die Departemente private Kurse für die Mitglieder des Bundesrates nach deren Wünschen und Ermessen.
«Wir haben dem nichts hinzuzufügen», sagt der Sprecher des SP-Bundesrats.