Jeff Bezos macht «Washington Post» Vorgaben für Meinungsseiten
Jeff Bezos hat in einem Brief an die Mitarbeiter der «Washington Post» eine bedeutende Neuausrichtung der Zeitung angekündigt. Dafür hagelt es Kritik.
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«Washington Post»-Eigentümer Jeff Bezos legt neue Richtlinien für die Meinungsseiten seiner Zeitung fest. Diese soll sich zukünftig auf persönliche Freiheit und freie Märkte konzentrieren.
Bezos teilte die Änderungen in einem Brief an die Mitarbeiter der «Washington Post» mit. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet darüber.
«Wir werden jeden Tag schreiben, um zwei Säulen zu unterstützen und zu verteidigen: persönliche Freiheiten und freie Märkte.» Das erklärte Bezos in dem Schreiben, das er auch auf der Plattform X teilte.
Bezos über die Rolle der Medien
Der Amazon-Gründer erklärt, dass eine einzelne Zeitung heute nicht mehr zwingend ein breites Meinungsspektrum abdecken müsse.
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Diese Funktion werde bereits durch das Internet erfüllt. Bezos betont: «Ich bin überzeugt, dass freie Märkte und persönliche Freiheiten das Richtige für Amerika sind.»
Reaktionen auf Bezos' «Washington Post»-Neuerungen
Die Ankündigung hat laut der «Zeit» bereits erste personelle Konsequenzen. David Shipley, der bisherige Leiter des Meinungsressorts, wird die Zeitung verlassen.
Innerhalb der Redaktion stösst die neue Linie von Bezos für die «Washington Post» auf Kritik.
Jeff Stein, Wirtschaftsredakteur der «Post», bezeichnete Bezos' Vorgehen als «massiven Eingriff». Er warnte, dass gegenteilige Meinungen nicht mehr geduldet würden.
Kritik von Ex-Chefredakteur Marty Baron
Marty Baron, ehemaliger Chefredakteur der «Washington Post», äusserte sich ebenfalls kritisch. Er nannte Bezos' Entscheidung «feige».
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Er warnte, dass trotz des Schlagworts «Freiheit» künftig keine echte Meinungsfreiheit mehr auf den Kommentarseiten herrschen werde.
Hintergrund und frühere Einflussnahmen
Diese Entwicklung ist Teil einer Reihe von Eingriffen, die Bezos in den letzten Monaten vorgenommen hat. Im Oktober 2024 blockierte er die traditionelle Wahlempfehlung der Zeitung.
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Zudem wurde eine Karikatur von Ann Telnaes abgelehnt, die Tech-Mogule vor einer Donald-Trump-Statue kniend zeigte. Dies führte zum Ausscheiden der renommierten Karikaturistin.
Leserreaktionen und mögliche Folgen
Die Reaktionen der Leserschaft auf die neue Ausrichtung fallen überwiegend negativ aus. Eine KI-gestützte Analyse von über 5000 Leserkommentaren ergab eine «starke Missbilligung».
Viele Leser sehen darin eine «Hinwendung zu rechten Ideologien». Sie befürchten eine Beschädigung der journalistischen Integrität.
Die «Washington Post» trug bisher das Motto «Demokratie stirbt im Dunkeln». Nun steht sie vor der Herausforderung, ihre journalistische Unabhängigkeit zu wahren.