Corona-Fallzahlen in Bulgarien steigen stark
Trotz erneut steigender Corona-Zahlen nach den Lockerungen plant Bulgarien keine Einschränkungen – zumindest noch nicht.

Das Wichtigste in Kürze
- In Bulgarien nimmt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder zu.
- Das Land hatte zuvor seine Massnahmen gegen das Virus gelockert.
- Trotzdem plant die Regierung vorerst keine Rückkehr zu den Einschränkungen.
Bulgarien erlebt nach der Lockerung seiner Corona-Einschränkungen nun einen schnelleren Anstieg der nachgewiesenen Neuinfektionen. Die Regierung plant allerdings nicht, die strengen Corona-Regeln wieder einzuführen.
Mit 188 neuen Corona-Fällen wurde am Mittwoch ein Tagesrekord seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Damit stieg die Zahl der registrierten Infektionen im ärmsten EU-Land mit knapp sieben Millionen Einwohnern auf über 6100. Vor einem Monat lag sie noch bei rund 2700.
Wegen schnell steigender Corona-Fallzahlen ordnete Regierungschef Boiko Borissow bereits Ende Juni an: Die Kapazitäten der Krankenhäuser sollen umgehend erhöht werden.
Maskenpflicht wird nicht wirklich eingehalten
In Bulgarien gilt seit 22. Juni wieder Maskenpflicht in geschlossenen, gemeinschaftlich genutzten Räumen wie etwa Läden, Banken, Tankstellen, Behörden und Kirchen.
Doch nicht wenige Bulgaren wollen sie demonstrativ nicht einhalten. Wirksame Kontrollen gibt es kaum. In Supermärkten tragen Mitarbeiter nicht selten keinen Mund-Nasen-Schutz oder ihre Masken hängen am Hals.

Zur Kritik, dass die Regierung nicht plane, die strengen Corona-Einschränkungen wieder einzuführen, sagte Ministerpräsident Boiko Borissow: «Wir haben niemanden verpflichtet, in die Bar oder zum Fussballspiel zu gehen.» Das Schwierige sei nun, zu lernen, mit dem Gedanken zu leben und zu arbeiten, dass dieses Virus unter uns sei. Das sagte er zum Auftakt einer Regierungssitzung.
Experten erwarten zweite Welle im Herbst
Der Rückfall in Bulgarien kommt nach einem guten Start bei der Bekämpfung des Coronavirus im März mit vielen Schutzmassnahmen. Nach einer Reihe von Festtagen im April und im Mai steigen die Fallzahlen jetzt wieder deutlich. Auch die Öffnung von Lokalen, Diskotheken, Nachtclubs sowie der Stadien für Zuschauer trug dazu bei.
Gesundheitsminister Kiril Ananiew warnte, dass bei mehr als 200 Neuinfektionen pro Tag es wieder strengere Schutzmassnahmen geben werde. Doch über den Sinn von Corona-Massnahmen herrscht in Bulgarien grosse Verwirrung. Sie ist teils auf einen inzwischen aufgelösten, alternativen Corona-Stab zurückzuführen. Der hatte sich für das schwedische Modell im Umgang mit dem Coronavirus eingesetzt.
Die jetzige Entwicklung ist nach Auffassung bulgarischer Experten ein zweiter Höhepunkt der ersten Corona-Welle. Für den Herbst wird eine zweite Welle befürchtet.