Frankreich: Arzt gesteht Missbrauch von zweijähriger Enkelin
Ein französischer Chirurg gibt zu, seine zweijährige Enkelin sexuell missbraucht zu haben.
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Ein wegen des Missbrauchs 299 meist minderjähriger Patienten angeklagter Chirurg in Frankreich hat gestanden, sich auch an seiner zur Tatzeit zweijährigen Enkeltochter vergangen zu haben. «Ja, ich gebe zu, dass ich meine Enkelin sexuell missbraucht habe.»
Dies sagte der 74-Jährige vor Gericht im westfranzösischen Vannes, wie der Sender France Info und die Zeitung «Le Parisien» aus der Verhandlung berichteten. Nach dem Geständnis wurde die Verhandlung unterbrochen.
Für die Eltern des Enkelkinds, den ältesten Sohn des Angeklagten und seine Frau, die sich beide im Gerichtssaal befanden, wurde psychologische Hilfe organisiert. «Ich bitte dich um Entschuldigung», sagte der Angeklagte an seinen Sohn gerichtet.
Abscheuliche Taten über Jahrzehnte hinweg
Über Jahrzehnte soll der Chirurg in Westfrankreich junge Patienten – oft während der Narkose – missbraucht und darüber akribisch Tagebuch geführt haben. Wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von insgesamt 158 Patienten und 141 Patientinnen steht er seit Montag vor Gericht.
«Ich habe abscheuliche Taten begangen», gestand der Rentner zu Prozessbeginn. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.
Den jahrzehntelangen Missbrauch hielt der Arzt detailreich in Tagebüchern fest, die Fahnder bei einer Durchsuchung sicherstellten. Rund 20 Mal erwähnt er in den Notizbüchern auch seine «Fantasien» bezüglich seiner Enkeltochter, und zwar erstmals, als diese eineinhalb Monate alt war.
Unbekannte Taten kommen ans Licht
Die nun gestandenen und der Justiz noch nicht bekannten Taten aus dem Jahr 2016 wurden auf Antrag des Generalstaatsanwalts in die Prozessakten aufgenommen, da sie noch nicht verjährt sind und das Opfer noch minderjährig ist.
Für den bislang wohl grössten Prozess in Frankreich um Kindesmissbrauch wurden in der Provinzstadt Vannes eigens Gebäude in der Nähe des Gerichts hergerichtet, die der Vielzahl von Prozessbeteiligten und Journalisten Platz bieten. Das Verfahren läuft bis zum Juni.