Marine Le Pen: Aufstieg, Verurteilung und politisches Erbe
Marine Le Pen, jüngst verurteilt, prägt seit über einem Jahrzehnt als Schlüsselfigur die französische Rechtspopulismusdebatte. Wir stellen sie genauer vor.

Marine Le Pen, Fraktionschefin des Rassemblement National, wurde wegen Veruntreuung von EU-Geldern während ihrer Zeit als EU-Abgeordnete schuldig gesprochen. Das Pariser Strafgericht verhängte laut «Handelsblatt» eine vierjährige Haftstrafe sowie eine Geldstrafe von 100'000 Euro (circa 95'300 Franken).
Die Haftstrafe wurde für zwei Jahre mit elektronischer Fussfessel und zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Entscheidend ist jedoch der sofortige Entzug des passiven Wahlrechts für fünf Jahre, der ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 blockiert.
Politische Prägung und frühe Karriere
Als jüngste Tochter des FN-Gründers Jean-Marie Le Pen erlebte sie früh die Polarisierung der französischen Politik. Unter anderem fand ein Bombenanschlag auf das Familienanwesen im Jahr 1976 statt.

Nach einem Jurastudium in Paris arbeitete sie bis 1998 als Anwältin, bevor sie voll in die Politik einstieg. Ab 1998 leitete sie den juristischen Dienst des FN und positionierte sich als Reformerin innerhalb der rechtsextremen Partei.
2011 übernahm sie den Parteivorsitz und trieb die strategische Öffnung des FN zur Mitte voran. Mit Kampagnen gegen EU und Einwanderung baute sie den RN zur stärksten Oppositionskraft auf.
Präsidentschaftsambitionen und Wahlerfolge
Bei ihrer ersten Präsidentschaftskandidatur erreichte Marine Le Pen 17,9 Prozent der Stimmen und etablierte den FN als dritte Kraft. Ihre Forderungen nach EU-Reformen und Migrationsbegrenzung prägten die Debatte.
2017 zog sie erstmals in die Stichwahl ein, unterlag aber Emmanuel Macron nach einer als desaströs bewerteten TV-Debatte. Dennoch erreichte der RN mit 33,9 Prozent ein Rekordergebnis.

2022 stieg ihr Ergebnis auf 41,45 Prozent und machte den RN zur grössten Oppositionspartei. Trotz des Wahlerfolgs blieb die Präsidentschaft nicht erreichbar.
Marine Le Pen lehnt Multikulturalismus ab
Le Pen lehnt Multikulturalismus ab und fordert strikte Assimilation von Einwanderern sowie die Abschaffung des Geburtsortsprinzips für Staatsbürgerschaften. Sie will Sozialleistungen für Ausländer kürzen und illegale Einwanderer konsequent abschieben.
Sie vertritt protektionistische Positionen mit ökonomischem Patriotismus und strebt eine EU-Reform als Staatenbund souveräner Nationen an. Den Euro behalten, aber nationale Kontrolle über Finanzpolitik priorisieren.
Marine Le Pen befürwortet Laizismus gegen «Islamisierung», fordert Todesstrafe per Referendum und eine autoritäre Sicherheitspolitik. Sie pflegt Verbindungen zu Rechtspopulisten wie Orbán und lehnt laut «TAZ» Russland-Sanktionen ab.
Le Pen will in Berufung gehen
Marine Le Pen will laut «DW» Berufung gegen das jüngste Urteil einlegen, um das passive Wahlrecht zurückzuerlangen. Sie kündigte an, alle juristischen Mittel für einen schnellen Berufungsprozess zu nutzen.
Ihre Partei Rassemblement National organisiert Demonstrationen und Petitionen gegen das Urteil. Parteichef Jordan Bardella fordert öffentlichen Protest, um demokratische Empörung auszudrücken.
Le Pen drängt auf eine rasche Berufungsentscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2027. Das Urteil bleibt bis zum Abschluss des Verfahrens vorerst wirksam.