Donald Trump und die Zölle: «Ein schwarzer Tag für die Schweiz»
Donald Trump schnürt ein Giga-Zollpaket. Für die Schweiz sind es Zölle in Höhe von 31 Prozent. Experten sprechen von einem «schwarzen Tag für die Schweiz».
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Wie schlimm sind die von Trump erhobenen Zölle für die Schweiz wirklich?
- Manfred Elsig vom World Trade Institute der Uni Bern spricht von einem «schwarzen Tag».
- Wirtschafts-Experte Stefan Legge sagt, dass Trumps Rechnung nicht aufgehe.
- Die Schweizer Pharma-Branche darf zudem noch nicht aufatmen.
US-Präsident Donald Trump verhängt neue Zölle. Die Schweiz trifft es mit 31 Prozent besonders hart. Die Schweiz exportiert in kein anderes Land so viele Waren wie in die USA.
Für Manfred Elsig vom World Trade Institute der Uni Bern ist klar: «Heute ist für die Exportnation Schweiz ein schwarzer Tag. Die Zölle sind viel höher als erwartet.»

Die Pharma-Industrie, die wichtigste Exportindustrie der Schweiz, ist von den Zöllen ausgenommen. Kann die Schweiz also immerhin ein wenig aufatmen?
Experte erwartet: Es trifft auch noch Schweizer Pharma
Leider nein, so Elsig. «Von Aufatmen würde ich nicht reden.»
Zwar seien die Zollbedingungen für die Pharmabranche noch unklar. Aber: «Eigentlich erwarten wir hier analog zu den Autozöllen noch sektorspezifische Zölle in nächster Zeit.»

Auch Zoll- und Handels-Experte Stefan Legge von der Uni St. Gallen geht in die gleiche Richtung.
Diese Branchen leiden wegen Donald Trump
«Andere Branchen trifft es sehr hart, dazu zählen Uhren, Maschinen, Präzisionsinstrumente, Flugzeugteile oder auch Kaffeekapseln. Für einige dieser Branchen ist der US-Markt zudem sehr wichtig.»
Die Schweiz exportierte im Jahr 2024 über 30 Milliarden Franken Pharmaprodukte und knapp 14 Milliarden Gold in die USA. «Dass diese beiden Güter nun ausgenommen werden, widerspricht der Logik der Berechnung», so Legge.
Bizarr: Amis kauften viel Gold – das führt nun zu höheren Zöllen
Was durchaus kurios ist am Zoll-Entscheid: Die Amerikaner kauften massenweise Gold in den letzten Monaten. «Dies hat ironischerweise 2024 zum grossen Handelsbilanzdefizit beigetragen», sagt Elsig.

Nach genau diesem hat Trump nun die neuen Zölle beschlossen. «Von all den Kriterien, welche angeblich hätten berücksichtigt werden sollen, war nur das Handelsbilanzdefizit von 2024 entscheidend.»
Der US-Präsident wendet für Weltpolitik also eine simple Milchbüchlein-Rechnung an ...
Wie schlimm trifft es die Schweiz wirklich?
«Zölle sind Steuern», stellt Legge klar.
«Donald Trump hat in Tat und Wahrheit eine massive Steuererhöhung angekündigt. Grundsätzlich sind Steuern verzerrend, umso mehr, je höher sie ausfallen. Die hohen Zollsätze sind wirtschaftlich schädlich und eine sehr ineffiziente Art, Steuereinnahmen für die USA zu generieren.»

Wie schlimm die Zölle für die Schweiz werden, das hänge auch von den hiesigen Firmen ab. «Wie gut es ihnen gelingt, die Zölle an amerikanische Kunden weiterzureichen, ohne Absatzeinbussen zu erleiden.»
«Rechnung von Donald Trump wird nicht aufgehen»
Klar ist für die beiden Experten: Trump schadet sich mit seinem Zollpaket selbst.
Elsig unterstreicht: «Die massiven, undifferenzierten Zölle sind für alle Beteiligten schlecht.»

Und für Legge ist klar: «Die Rechnung wird nicht aufgehen.» Schliesslich profitiere auch die USA vom internationalen Handel. «Mit den jetzt angekündigten Massnahmen untergraben sie jedoch nachhaltig das Fundament des globalen Handels.»

Die Folge: Nicht nur importierte Güter werden jetzt in den USA teurer. «Auch einheimische Produzenten werden die Preise anheben. Weil ihre ausländische Konkurrenz ja nun teurer geworden ist.»
UBS erwartet, dass Gerichte einschreiten
Auf den Zoll-Hammer gegen die Schweiz haben heute Morgen auch die Investment-Chefs der UBS reagiert. In einem Schreiben heisst es:
«Wir erwarten, dass die Exekutivgewalt des Weissen Hauses in den nächsten Wochen gerichtlich angefochten wird.»
Donald Trump habe die Zölle gemäss dem Gesetz über wirtschaftliche Befugnisse in internationaler Notlage angeordnet.
Für solche weitreichenden Änderungen der Wirtschaftspolitik sei der IEEPA (International Emergency Economic Powers Act) noch nie genutzt worden.
Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass die Zölle bis zum Jahresende wieder gesenkt werden.
Aber: Selbst der kurzfristige Schock und die damit verbundene Unsicherheit könnte zu einer Abschwächung der US-Wirtschaft führen.