SBB-Problemzug FV-Dosto: Jetzt stinkts schon auf einen Knall
In einem Zug der SBB am Zürich HB kommt es zuerst zu einem Knall, dann zu einem üblen Gestank. Ursache war erneut der Problemzug «FV-Dosto».

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Pendlerin berichtet von einem unangenehmen Erlebnis in einem Zug am Zürich HB.
- Die SBB bestätigt, dass es sich dabei wieder um den Problemzug «FV-Dosto» handelt.
- Trotz Software-Update bleibt das Problem des stinkenden Zuges bestehen.
«Das hat mir den Appetit verdorben.» Katrin H.* (36) will am Sonntagnachmittag nach Aarau.
Am Zürcher HB steigt sie in den Zug, der zehn Minuten vor Abfahrt schon dasteht. «Ich hatte mir ein Sandwich gekauft, das ich drinnen essen wollte», erzählt sie.
Doch der Appetit vergeht ihr bald. «Plötzlich gab es einen lauten Knall, dann stellte die Lüftung ab.» Da alles ruhig bleibt, denkt sie sich nichts dabei.
Nach einer Minute geht die Lüftung wieder an. Und: «Da fing es plötzlich an, bestialisch zu stinken. Mein Sandwich habe ich gleich wieder weggelegt.»
Katrin, die oft mit dem Zug reist, weiss: «Der Gestank erinnerte mich an den Problemzug, der die Gleise im unteren HB schon öfters verpestete.» Warum es aber auf einen Knall anfängt zu stinken, versteht sie nicht.
Die SBB klärt auf.
SBB bestätigt: Wieder Problemzug «FV-Dosto»
Mit ihrer Vermutung liegt Katrin richtig: Auch bei diesem Zug handelt es sich um den sogenannten Problemzug «FV-Dosto». Dies bestätigt Sabrina Schellenberg, Mediensprecherin der SBB, auf Anfrage von Nau.ch.
«In Zürich wurde ein zweiter Zug angeschlossen. Bei der Kopplung von Zügen kann es zu einem vorübergehenden Unterbruch der Lüftung kommen.»
Vermutlich sei der unangenehme Geruch nach dem Wiedereinschalten der Lüftung von aussen in den Zug gedrungen.
«Wir entschuldigen uns bei den betroffenen Reisenden für die entstandenen Unannehmlichkeiten», sagt Schellenberger.
Beim «FV-Dosto» könne es manchmal zu Geruchsemissionen kommen. Schellenberg sagt weiter: «Die SBB hat bereits diverse Massnahmen ergriffen und überprüft die Situation laufend.»
Und woher kommt der Knall? Das wahrgenommene Geräusch wurde höchstwahrscheinlich durch die Druckschlussklappen am Zug verursacht. Schellenberg: «Während der Vorbereitung des Zuges für die Abfahrt öffnen und schliessen sich diese Klappen schnell, was ein deutlich hörbares Geräusch erzeugen kann.»
Software-Update hätte Verbesserung bringen sollen
Schon seit Jahren gibt es immer wieder Berichte über die unangenehmen Gerüche an den Bahnhöfen und im Zug.
Mit den oben genannten «Massnahmen» ist vermutlich das Software-Update vom letzten Jahr gemeint.
Damals versprach das ÖV-Unternehmen gegenüber Nau.ch ein Update zur Optimierung der WC-Systeme. Dabei konnten sie aber keine vollständige Lösung des Problems garantieren.
«Mit dem Update verbessert die SBB bis Sommer 2024 die Betriebsbedingungen der Bioreaktoren». Dies teilte das Unternehmen damals mit.
Gestank im Zug wegen Toiletten-Kläranlagen
Letzten Sommer bestätigte die SBB auf Anfrage von Nau.ch, das Update inzwischen durchgeführt zu haben. Trotzdem stinkt es teils bis heute weiter. Und eben auch mal nach einem Knall.
Verantwortlich für den Gestank ist ein Problem mit den Bioreaktoren – kleinen Kläranlagen in den FV-Dosto-Toiletten.
Das Problem tritt besonders auf, wenn die Züge stehen und das System in einen Energiesparmodus wechselt. Dadurch erhalten die Kläranlagen zu wenig Sauerstoff und die Bakterien im Bioreaktor können die WC-Flüssigkeiten nicht zersetzen.
Durch das Software-Update hätte eine Verbesserung der Luftzufuhr erreicht werden sollen. Wie es nun mit dem «Stink-Zug» weitergeht, bleibt unklar.
*Name geändert