«Spender» bringen Sexpuppen und Windeln ins Brocki
Schmuddel-Ärger im Secondhand-Geschäft: Einige scheinen die Brockis mit einer Entsorgungsstelle zu verwechseln.

Das Wichtigste in Kürze
- Als Brocki-Mitarbeiter erlebt man einiges an Kuriositäten.
- Häufig sind auch schmuddelige «Spenden», die abgegeben werden.
- Manchmal wird sogar die Polizei eingeschaltet.
Kuriose Spenden sind in den Schweizer Brockenstuben Alltag. Und immer wieder wird es unhygienisch bis richtig grusig.
Aber manchmal finden sich unter den Kuriositäten auch echte Schätze – an denen die Brockis einen guten Batzen verdienen können.
Nau.ch hat mit Brocki-Leitern in Zürich, Bern, Basel und Luzern über ihre bizarrsten Erlebnisse im Secondhand-Alltag gesprochen.
Unbrauchbare Spenden haben «definitiv zugenommen»
Für Frust und Mehraufwand sorgen fast überall unbrauchbare «Spenden».
«Wir erhalten immer wieder Dinge, die wir ablehnen oder gegen Gebühr entsorgen müssen. Das hat definitiv zugenommen», stellt Stefan Huber vom Zürcher Brockenhaus fest.
Es scheint ihm, dass sich viele die Entsorgung sparen wollen.

«Gerade kürzlich hatten wir so einen Fall: In einem Päckli ohne Absender hat uns jemand eine Sexpuppe zugeschickt – wir waren nicht sicher, ob gebraucht oder nicht.»
Doch damit nicht genug. «Wenig später schickte uns die Post auch noch eine Rechnung für den Versand des Pakets», lacht Huber.
Auch für Lacher sorgte eine Seniorin, die ein Köfferli abgab und danach auffallend schnell verschwand. «Als wir den Koffer öffneten, war er voller Sexspielzeug.»
Auch intime Liebesbriefe eines Pärlis seien schon abgegeben worden. «Das gibt es viel: Dinge, die jemandem einst viel bedeutet haben und dann nach dem Tod bei der Räumung auftauchen.»
«Das weisse Pferd war so ein Kuriosum»
Martin Becker von der Basler Brockenstube Irma und Fred schmunzelt: «Es gibt immer wieder Ereignisse, wo wir sagen, wir müssten mal ein Buch schreiben.»
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Spende aus einer aufgelösten Kita. «Das weisse Pferd war so ein Kuriosum.»
Das Pferd, das der Brocki abgegeben wurde, war originalgross, aus Papier maché. «Zuerst konnten wir dieses Pferd kaum in die Brockenstube transportieren», erinnert er sich.
Der Transporter der Brockenstube sei zwar gross, «aber für ein Pferd gedacht ist er nicht». Doch noch angekommen habe es dann «geduldig auf seinen Käufer oder seine Käuferin warten müssen».
Es verstreicht einiges an Zeit. Doch niemand hat genug Platz zu Hause für ein Pferd.
Bis eines Tages eine Frau hereinkommt, das Pferd sieht und «freudige Laute von sich gibt», wie Becker erzählt.
«Sie schritt mit feuchten Augen darauf zu, umarmte es und sagte, das sei ihres. Und in der Tat, die Frau hatte dieses Pferd vor vielen Jahren aus Platzmangel abgeben müssen.»
Rund zehn Jahre später kauft sie es nun zurück und nimmt es nach Hause.
Volle Windeln und ungewaschene Unterhosen
Auch Sercan Sarikurt von der Heilsarmee-Brockenstube in Zürich hatte schon kuriose und eklige Erlebnisse.
Ein Beispiel: «Einmal sagte mir eine Kundin, sie habe noch Unterwäsche abzugeben. Ehe ich dankend ablehnen konnte, ergänzte sie: ‹Tschuldigung, ich hatte leider keine Zeit mehr, sie zu waschen›.»
Michael Bösch von der Bärner Brocki musste eine ähnlich grusige Erfahrung machen. «Uns wurde einmal eine schöne Kommode abgegeben. Leider haben wir erst beim Reinigen gemerkt, dass eine Schublade voll mit gebrauchten Baby-Windeln war», erzählt er.
«Die Kommode haben wir entsorgt ...»
Kleidersack-Spinne beisst Brocki-Mitarbeiter
Was es laut Sarikurt von der Zürcher Heilsarmee-Brocki auch oft gibt: «Spinnen in Kleidersäcken! Einmal wurde ein Mitarbeiter sogar gebissen und musste deshalb ins Spital.»
Viele Brockis nehmen nicht nur Warenspenden an, sondern führen auch Räumungen durch. Meist, wenn Haushalte aufgelöst werden, weil die Bewohnerin oder der Bewohner ins Altersheim muss oder stirbt.

«Dabei passieren täglich lustige Sachen – doch manchmal wird es auch ernst», berichtet Andreas Stocker von der Blaukreuz-Brockenhalle Basel.
Er erinnert sich an eine Räumung, bei der das Brocki-Team ein Skelett fand. «Am Anfang dachten sich die Mitarbeiter nicht viel dabei. Doch mit der Zeit wurden sie unsicher, ob es sich nicht doch um ein echtes handeln könnte.»
Polizist spaziert mit Skelett durchs Wohnquartier
Sicherheitshalber rufen sie die Polizei. «Gut eine Stunde lang war alles abgesperrt, es kamen Forensiker mit allem drum und dran.»
Der Einsatz habe die Aufmerksamkeit der halben Nachbarschaft auf sich gezogen. Am Schluss stellt sich heraus, dass das Skelett nur eine Nachbildung ist.
«Daraus ergaben sich aber dann noch kuriose Bilder: Einer der Polizisten nahm das Skelett mit nach Hause.»
Stocker lacht: «Die Nachbarn staunten nicht schlecht, als sie ihn mit dem Skelett auf dem Arm zum Auto spazieren sahen.»
Bild für 9.90 war eigentlich 9000 Franken wert
Erfreulicher für die Brockis sind unverhofft wertvolle Spenden – auch das gibt es nämlich immer wieder.
Sarikurt erzählt: «Wir haben einmal ein gespendetes Bild mit 9.90 Franken angeschrieben. Dann meinte eine Kollegin, das könnte teurer sein.»
Tatsächlich – zuletzt kann die Brocki das Bild in einem Auktionshaus für 9000 Franken versteigern.

«Zirka einmal pro Halbjahr finden wir grössere Mengen an Bargeld bei einer Räumung», sagt Stocker. Einmal seien in der Wohnung eines dementen Mannes satte 60'000 Franken in bar aufgetaucht.
«Er hatte das Geld in einem Piano und unter einem Teppich aufbewahrt.» Solche Funde behalten die Brockis aber natürlich nicht. «Das Geld geht zurück an den Auftraggeber.»
Ein ähnliches Erlebnis hatte das Team von der Luzerner Brocki. «Einmal ist eine Fünflibersammlung mit einem Gesamtwert von einigen Tausend Franken aufgetaucht», erzählt Mitarbeiterin Anja Ineichen.
Sie fasst zusammen: «Es gibt nichts, was es nicht gibt!»