Samenspende soll auch für Single-Frauen legal werden
Im Nationalrat wurden sechs gleichlautenden Vorstösse aus sechs Parteien eingereicht, die die Samenspende für alleinstehende Frauen ermöglichen wollen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Samenspende soll auch für Single-Frauen legal werden.
- Sie wären damit rechtlich lesbischen Paaren gleichgestellt.
- Gleichlautende Vorstösse aus allen Fraktionen fordern eine entsprechende Gesetzesänderung.
Diese überparteiliche Einigkeit hat Seltenheitswert: Fünf Nationalrätinnen und ein Nationalrat aus sechs verschiedenen Parteien haben sechs gleichlautende Vorstösse eingereicht.
Sie fordern, dass alleinstehenden Frauen der Zugang zu «medizinisch unterstützten Fortpflanzungsdiensten» ermöglicht wird. Die Samenspende soll auch für Single-Frauen legal werden, wie in den meisten Ländern Westeuropas.
Samenspende in der Schweiz statt im Ausland
Kernargument der Vorstösse ist, dass der Kinderwunsch ansonsten mit informellen Lösungen erfüllt werde.
Sprich: Online gekauftes Sperma oder «vorübergehende Partner», wie es im Vorstosstext heisst. Dies sei aber mit gesundheitlichen und psychischen Risiken verbunden.
Mit Verweis auf den Westschweizer Verein «Maman Solo» mit knapp 200 Mitgliedern wird verdeutlicht: Die Single-Frauen tun es so oder so. Ob man deren Mutterschaft nun gutheisst oder nicht: Besser wäre es, dies im gesetzlich festgelegten Rahmen in der Schweiz zu tun.
Mit einer Gesetzesänderung soll deshalb der gesellschaftlichen Realität Rechnung getragen werden.
Nicht nur hätten so die die Kinder garantierte Rechte, insbesondere dass sie die eigene Abstammung kennen dürfen. Sondern die Single-Frauen würden auf gleiche Stufe gestellt wie lesbische Paare, bei denen die Samenspende bereits legal ist.
Auch kritische Stimmen betonen das Wohl des Kindes
Die Forderung ist nicht neu, die Argumente dagegen ebenfalls nicht. Konservative Politiker stören sich daran, dass damit Ein-Eltern-Familien geschaffen werden. In ihren Augen sollten Kinder mit Mutter und Vater aufwachsen.
Dem halten die Nationalrätinnen aus GLP, Mitte, SP, Grünen und SVP sowie ein Nationalrat der FDP entgegen: 16,6 Prozent der Haushalte mit Kindern seien alleinerziehend.

Sie betonen, das Wohl des Kindes hänge von Zuneigung, Aufmerksamkeit und Stabilität ab, die es erfahre. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kinder alleinerziehender Mütter häufiger vernachlässigt oder missbraucht würden.
Samenspende für Single-Frauen: Chancen stehen gut, aber…
Wenn bereits Mitglieder aller Fraktionen den gleichen Vorstoss einreichen, sollte man meinen: Das ist ein Selbstläufer. Die Zustimmung des Nationalrates nur noch Formsache.
Tatsächlich hat die Forderung, die Samenspende für Single-Frauen zu legalisieren, gute Chancen. Aber mehr nicht, wie ein Blick auf die Mitunterzeichnenden der Vorstösse zeigt. Denn innerhalb der Parteien ist die Unterstützung unterschiedlich gross.
So hat Nationalrätin Brigitte Crottaz (SP/VD) 37 Unterschriften in ihrer Fraktion gesammelt. Das sind fast alle SP-Mitglieder im Nationalrat – also wohl alle, die nicht gerade einen Sitzungstermin oder Koffeinnotstand hatten.
Schon bei der Grünen Léonore Porchet sieht es leicht weniger rosig aus, bei den Bürgerlichen noch weniger.
Mitte-Nationalrätin Nicole Barandun brachte fünf Mitunterzeichnende zusammen. SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz, die in gesellschaftlichen Fragen in ihrer Fraktion öfter abweicht, reichte ihren Vorstoss mit einer einzigen Unterschrift ein.
Es ist Thomas Bläsi, einer der drei SVP-Männer, die wie Amaudruz den Kanton Genf vertreten. Ob die anderen beiden – und weitere SVP-Nationalräte – die Samenspende für Single-Frauen gutheissen, ist also offen.