In der Serie A werden die grossen Fussball-Emotionen gelebt
In keiner Fussball-Liga der Welt werden die Emotionen so gelebt und zelebriert wie in der Serie A. Es ist die grosse Fussball-Bühne Europas.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Serie A wird um die italienische Meisterschaft, den «Scudetto», gekämpft.
- Die grossen drei Clubs Inter, Milan und Juventus machen die meisten Titel unter sich aus.
In den 80er und 90er-Jahre war die Serie A die Liga der Träume. Nach einer Baisse zeigt die Entwicklung der Liga in Italien wieder nach oben. Sportlich, wirtschaftlich und in der Gunst der Zuschauer.
Geschichte
Die Fussballmeisterschaft in Italien wird seit 1898 durchgeführt. Zuerst in kleinen Turnieren, später in Meisterrunden zwischen den Siegern der regionalen Verbänden. Der erste Dominator war der von Engländern gegründete CFC Genoa mit sechs Titeln in den ersten sieben Jahren zwischen 1898 und 1904. Einzig Milan konnte 1901 die Serie unterbrechen.
Auf Genoa folgte Vercelli
Nach der Dominanz Genoas war Pro Vercelli der tonangebende Club. Das Team aus dem Piemont konnte bis 1922 sieben Titel feiern. Seit 1924 konnten aber weder Genoa noch Pro Vercelli weitere Meisterschaften holen. Eine nationale Liga gibt es seit 1929, die Serie A unter diesem Namen seit 1946.
Scudetto, was ist das?
Der Meistertitel wird in Italien «Scudetto» genannt. Das Wort ist die Verkleinerungsform von «Scudo», der Schild. Grund: Der amtierende Meister trägt in der folgenden Saison ein schildförmiges Italienwappen auf dem Leibchen.
Superga 1949
1949 wird der italienische Fussball von einer Tragödie erschüttert. Beim Rückflug aus Lissabon streifte das Flugzeug bei schlechter Sicht die Basilika auf dem Superga-Hügel in der Nähe Turins und stürzte ab. Fast die gesamte Meistermannschaft des «Grande Torino» kam dabei ums Leben, mit Ausnahme von drei verletzten und nicht mitgereisten Spielern. Das Team galt als das Beste Italiens und wurde in den 40er-Jahren fünf Mal Meister. Auch für die Nationalmannschaft standen in jener Zeit meistens neun oder zehn Spieler Torinos auf dem Platz.
Nord-Süd-Gefälle
Traditionell herrscht in der Serie A ein grosses Nord-Süd-Gefälle. Seit Beginn der Serie A in der aktuellen Form (1946) gingen 63 der 72 Titel in die Norden. Hauptsächlich in die Städte Mailand und Turin.
Die Ausnahmen sind Fiorentina (1956 und 1969), Cagliari (1970), Lazio (1974 und 2000), Roma (1983 und 2001) und Napoli (1987 und 1990).
«I Big»
Die grossen drei im italienischen Fussball sind Juventus, AC Milan und Inter Mailand. Sie werden nicht etwa italienisch «grande» oder ähnlich genannt, sondern «I Big».
Das «Triple» für Inter Mailand
Inter Mailand, das 1910 ursprünglich aus dem AC Milan hervorging, hatte seine erste ganz grosse Zeit in den 60er-Jahren unter Trainer Helenio Herrera. In den sieben Jahren zwischen 1961 und 1967 war der Club immer unter den ersten drei der Liga und holte drei Mal den Scudetto. Zudem gewann Inter 1964 den Europacup der Meister.
Zwischen 2006 und 2010 holte Inter die Meisterschaft fünf Mal in Serie. Der Titel 2006 wurde den Nerazzurri nachträglich zugesprochen, der sportliche Meister Juventus Turin wurde nach den Verstrickungen in den «Calciopoli»-Skandal zwangsrelegiert.
2010 holten die Mailänder neben der Meisterschaft auch den Cup und gewann die Champions League. Das «Triple» gelang bisher noch keiner anderen Mannschaft aus Italien.
Am meisten Spiele für Inter absolvierte der Argentinier Javier Zanetti, der zwischen 1999 und 2014 auch Captain war. Rekordtorschütze ist Giuseppe Meazza, der allerdings auch für den Lokalrivalen AC Milan gespielt hatte und nach dem das Stadion im San Siro-Quartier benannt ist.
Europa ist die Bühne für Milan
Milan war 1963 der erste italienische Gewinner des Europacups der Meister. Insgesamt gewannen die Rossoneri den Meistercup/Champions League sieben Mal – mehr als alle anderen italienischen Teams zusammen. Nur Real Madrid konnte die Königsklasse des europäischen Klubfussballs noch öfter gewinnen.
1980 wurde Milan zusammen mit Lazio wegen illegaler Wettgeschäfte zwangsrelegiert. 1986 übernahm Silvio Berlusconi den Verein und installierte mit Arrigo Sacchi einen unbekannten Trainer.
Mit Trainer Sacchi, den Verteidigern Baresi und Maldini sowie den Holländern Gullit, van Basten und Rijkaard sorgte Milan für Furore. Das Team dominierte den europäischen Klubfussball und holte zwei Mal in Folge den Europacup der Meister.
Die Dominanz ging auch unter Trainer Capello bis Mitte der 90er-Jahren weiter und Milan stand in sieben Jahren fünf Mal im Final des wichtigsten europäischen Klub-Wettbewerbs. In der Saison 1991/92 gelang den «Unbesiegbaren» («Gli Invincibili») von Milan der Meistertitel ohne eine einzige Niederlage.
Zu den Legenden bei Milan gehören Paolo Maldini und Franco Baresi. Schon Paolo Maldinis Vater Cesare war eine Legende der Rossoneri. Paolo absolvierte seine gesamte Profikarriere bei Milan und absolvierte mehr als 900 Spiele für den Club und ist damit Rekordspieler. Franco Baresi spielte zwischen 1978 und 1997 ebenfalls fast 20 Jahre lang für Milan.
Die Nummern «3» und «6» von Maldini und Baresi sind die einzigen gesperrten Nummern und werden nicht mehr vergeben. Im Fall von Maldini gibt es die Ausnahme, dass einer seiner Söhne die Nummer tragen dürfte. Schon Cesare Maldini trug die «3» – es ist quasi eine Familienangelegenheit.
In den 2000er Jahren holte Milan unter Trainer Carlo Ancelotti einen weiteren Titel, stand in acht Jahren drei Mal im Final der Champions League und holte dabei zwei Mal den Titel.
Rekordmeister Juventus Turin
Rekordmeister in der Serie A ist Juventus Turin mit 34 Titeln. Die Titel 2004/05 und 2005/06 wurden der «alten Dame» aufgrund des «Calciopoli» später wieder aberkannt.
Den ersten Titel holte Juventus 1905, in den 30er-Jahre feierten die Bianconeri mit fünf Titeln in Folge eine erste Serie. Später gehörte Juve immer zu den besten Teams, holte regelmässig Titel, ohne aber eine Dynastie etablieren zu können.
In den 80er-Jahre spielte mit Michel Platini einer der prägenden Figuren des Fussball-Jahrzehnts bei Juve. Der Franzose wurde 1984 Europameister, holte mit den Turinern zwei Meistertitel. Er gehörte zu den besten Spielmachern seiner Zeit.
In den acht Saison zwischen 1992 bis 1999 teilte sich Juve das Primat mit dem AC Mailand und je vier Meistertiteln.
Zwischen 1993 und 2012 war Alessandro Del Piero die Identitätsfigur bei Juve. Der smarte Offensivspieler erzielte über 250 Tore für Juve in Meisterschaft, Cup und internationalen Wettbewerben. «Ale» holte acht Titel (wovon zwei aber wieder aberkannt wurden). Er ist Juves Rekordtorschütze in der Serie A.
Legendenstatus hat bei Juventus zudem Gigi Buffon. Der Torhüter aus der Toscana debütierte mit 17 Jahren beim AC Parma. 2001 wechselte er zu Juventus wo er in 17 Saisons neun Mal Meister wurde. Er ist der einzige Spieler in der Geschichte der Serie A, dem dies gelang. Auch nach dem Zwangsabstieg von Juve («Calcioppoli») verliess er den Klub nicht, was ihm grossen Respekt einbrachte. Einzig sein Wechsel 2018 zu Paris St. Germain wird ihm übel genommen – man hätte es gerne gesehen, wenn Gigi seine Karriere bei Juve beendet hätte.
Mit dem Gewinn des Titels 2012 änderten sich die Kräfteverhältnisse in Italien komplett. Seither ist die Serie A eine One-Team-Show: Juventus dürfte in der laufenden Saison 2018/19 den achten Titel in Folge feiern.
Napoli und Maradona
Es war wie ein Märchen. 1984 verpflichtete der Mittelfeldklub Napoli Diego Armando Maradona. Bereits bei der Präsentation des Spielers im Stadion San Paolo waren 75'000 Fans dabei. Mit dem Argentinier wurde Napoli 1987 erstmals Meister und die Stadt war im Delirium. Ganz Süditalien stand hinter dem Club, der dem reichen Norden mit dem Titelgewinn wenigstens im Fussball eins auswischen konnte.
Napoli wiederholte den Titel 1990, Superstar Maradona wurde in der Folge aber wegen Dopings gesperrt und verliess den Verein. Napoli rutschte dann wieder ins Niemandsland der Liga ab und stieg 1998 sogar ab. Erst in den letzten Jahren wurde der Club unter Präsident Aurelio De Laurentiis wieder erfolgreich. Seit dieser Saison wird der Club von Erfolgscoach Carlo Ancelotti trainiert.
AS Roma und der ewige Totti
Fast im gleichen Atemzug fällt beim Begriff AS Roma auch der Name Francesco Totti. Der gebürtige Römer trat als 13-Jähriger in den Nachwuchs der AS Roma ein und debütierte mit 16 in der ersten Mannschaft. Er spielte während 24 Saison für die «Giallorossi» und erzielte 250 Tore. Trotz verschiedener Angebote aus dem Inland (Milan) und Ausland (Real Madrid) blieb er der Roma treu, obwohl er sich damit bewusst um eine grössere Chance brachte, die Champions League zu gewinnen. Clubtreue war dem begnadeten Techniker wichtiger. Der ewige Totti in der ewigen Stadt.
Der 200-Tore-Club
Sieben Spieler schafften es bisher in der Serie A 200 oder mehr Tore zu erzielen: Silvio Piola (274 Tore, am meisten Spiele für Lazio), Francesco Totti (250 Tore, Roma), Gunnar Nordahl (225 Tore, Milan), Giuseppe Meazza (216 Tore, Inter), José Altafini (216 Tore, Milan), Antonio Di Natale (209 Tore, Udinese), Roberto Baggio (205 Tore, Juventus).
Kultige Trainer in der Serie A
Marcello Lippi holte in den 90er- und frühen 00er-Jahren mit Juventus fünf Mal den Scudetto und gewann die Champions League. Doch sein Höhepunkt war ein anderer: Der Toskaner mit dem strengen Blick wurde 2006 mit Italien Weltmeister.
Auch Fabio Capello gewann mit Milan 1994 in einem denkwürdigen Final gegen Barcelona die Champions League. Dazu wurde er innert fünf Jahren vier Mal italienischer Meister und blieb in der 1991/92 als bisher einziger Trainer eine Saison lang ungeschlagen.
Capellos Vorgänger bei Milan war Arrigo Sacchi. Der Mann mit der Brille auf dem Kopf statt auf der Nase gilt als Erfinder des modernen Pressings im 4-4-2-Systems und war ein Revolutionär. Ex Milan-Präsident Berlusconi verpflichtete Sacchi 1987 vom damaligen Serie B-Club Parma, nachdem Parma Milan in einem spektakulären Cupspiel bezwungen hatte. Sacchi wurde später italienischer Nationaltrainer und auch als möglicher Trainer der Schweizer Nati gehandelt.
Carlo Ancelotti, selbst Spieler bei Milan, trainierte neben den Rossoneri auch Juve. Ancelotti ist der einzige Trainer, der in den fünf grossen Ligen Europas Meister wurde: Milan (Italien), Real Madrid (Spanien), Chelsea (England), Paris Saint-Germain (Frankreich) und Bayern München (Deutschland).
Massimiliano Allegri hält den Rekord an Scudetti in Folge. Zwischen 2014 und 2018 holte er mit Juventus Turin vier Mal nacheinander den Titel. Und die fünfte Meisterschaft in der laufenden Saison ist eigentlich nur noch Formsache.
Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der Serie A ist aber Giovanni Trapattoni. Der ehemalige Milan-Spieler holte den Scudetto gleich sieben Mal. Allerdings nicht mit seinem Club aus der Aktivzeit, sondern mit Juventus (6) und Inter Mailand (1).
Entwicklung der Liga
In den 1980er und 90-Jahren war die Serie A die Liga schlechthin. Wirtschaftlich mächtig und mit einer weltweiten Ausstrahlung. Die grossen Stars dieser Zeit zog es nach Italien. Egal ob aus Frankreich (Platini, Thuram), Holland (Van Basten, Gullit, Rijkaard), Deutschland (Brehme, Matthäus) oder Argentinien (Maradona, Batistuta). Zwischen 1982 und 1998 ging der Ballon d'Or nur vier Mal an einen Spieler, der nicht in der Serie A spielte.
Der «Calciopoli»
2006 wurde mit dem «Calciopoli» der grösste Skandal des italienischen Fussballs aufgedeckt. Juventus Sportchef Luciano Moggi soll über Schieds-und Linienrichter Spiele in mafia-ähnlichen Strukturen manipuliert haben. Juventus wurde in der Folge in die Serie B zwangsrelegiert und dem Club wurden zwei Meistertitel aberkannt. Der Titel 2004/05 bleibt vakant, jener 2005/06 ging nachträglich an Inter.
Neue Ära mit Ronaldo
Nach einer Baisse nach 2010 ist der italienische Klubfussball wieder zurück an die internationale Spitze. In der Uefa-Wertung überflügelte die Serie A die Bundesliga wieder und hat sich auf Platz 3 gesetzt. Seit dieser Saison steigen auch die Zuschauerzahlen wieder.
Ein Indiz für die steigende Euphorie in der Liga war auch der Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin im Sommer 2018.
Die grössten Rivalitäten:
Weil Juventus und Inter aus verschiedenen Städten stammen und es daher kein eigentliches Derby ist, wird das Duell auch «Derby d'Italia» genannt. Die Rivalität ist aber spätestens seit den 60er-Jahren sehr gross.
Auch das Duell zwischen Juventus und Fiorentina ist heiss. Die grosse Rivalität entstand am letzten Spieltag der Saison 1982. Juventus entriss Fiorentina den Meistertitel mit eine Sieg in Catanzaro während die «Viola» gegen Cagliari nicht über ein 0:0 hinauskam. Dabei ist Fiorentina offenbar ein regulärer Treffer nicht anerkannt worden. Erstmals wurde die Juventini danach «Diebe» genannt. Und ab der Folgesaison wurden die Spiele der beiden Vereine sehr hart geführt und die Fans sind verfeindet.
Das Mailänder Derby zwischen Milan und Inter wird als «Derby della Madonnina» bezeichnet, nach der goldenen Madonnen-Figur auf dem Mailänder Dom. Einerseits werden die Vereine «Cugini» (Cousins) genannt, weil Inter von ehemaligen Milan Mitgliedern gegründet wurde, andererseits ist die Rivalität in der Mode-Metropole Mailand gross und wird zelebriert.
Besonders giftig ist die Atmosphäre auch beim Römer-Derby zwischen der AS und Lazio. Das «Derby della Capitale» (Derby der Hauptstadt) musste auch schon wegen Ausschreitungen abgebrochen werden.
Aber auch das «Derby della Lanterna» (Derby des Leuchtturms) zwischen den beiden Clubs aus Genua ist intensiv. Die Fans von Sampdoria und Genoa haben allerdings nach dem Brückeneinsturz 2018 versöhnliche Gesten gezeigt und ein gemeinsames T-Shirt kreiert um den Opfern zu gedenken.
Die Schweizer in der Serie A
Zu Beginn der laufenden Saison 2018/19 spielten sieben Schweizer in der höchsten italienischen Spielklasse. Johan Djourou verliess seinen Club SPAL allerdings im Januar und ist im Moment vereinslos. Aktuell sind Edimilson Fernandes (Fiorentina), Ricardo Rodriguez (Milan), Valon Behrami (Udinese), Blerim Dzemaili (Bologna) und Remo Freuler (Atalanta) in der Serie A unter Vertrag.