Coronavirus: Schwierige Zeiten für Schweizer Ski-Firmen
Die sich laufend verschärfende Situation rund um die Ausbreitung des Coronavirus hat grosse Auswirkungen auch auf die Arbeit der Ski-Firmen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Das Coronavirus hat die Saison der meisten Wintersportarten frühzeitig beendet.
- Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Ski-Firmen in der Schweiz.
«Das Schlimmste ist die Ungewissheit», sagen Beni Matti (Rennchef Stöckli) und Christian Höflehner (Rennsportdirektor Atomic).
Dass dieser Weltcup-Winter und auch die Saison der Kontinentalcups in Europa und Nordamerika (richtigerweise) vorzeitig beendet wurden, ist das Eine. Jetzt aber haben viele Skigebiete den Betrieb eingestellt und die Rennfahrerinnen und Rennfahrer sind wegen Reiseeinschränkungen in ihre Heimatländer gereist.
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Diese, im Angesicht der Bedrohungslage ebenfalls korrekten Massnahmen, haben zusätzliche Auswirkungen auf die Skifirmen und Ausrüster der Athletinnen und Athleten. Die sonst am Ende der Saison üblichen Materialtests finden nicht statt, können nicht stattfinden. Das ist insofern eine aussergewöhnliche Situation, weil viele Verträge der Skifirmen mit den Athleten spätestens im Mai dieses Jahres auslaufen.
«Dass nicht mehr getestet werden kann erschwert die Situation, das ist richtig. Aber angesichts der Gesamtsituation ist das kein matchentscheidendes Problem. Die Ski-Industrie und der Wintersport haben aktuell deutlich grössere Probleme und Schwierigkeiten zu meistern.»
«Ich denke da an die Hotellerie, die Liftbetreiber, die Sportgeschäfte oder Ski-Vermietungsfirmen und viele weitere Zweige. Diese sind jetzt sehr direkt und schwer betroffen», sagt Beni Matti, Rennchef des Schweizer Skiherstellers Stöckli. Ähnlich klingt Christian Höflehner, Rennchef bei Atomic.
«Es läuft auf einen testfreien Frühling hinaus, das ist korrekt. Das ist zwar eine blöde Situation, aber – und da müssen wir schon ehrlich sein – alles andere als tragisch.
Er herrscht eine allgemeine Unsicherheit
Viel mehr beschäftigt uns alle die allgemeine Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Was Trainings und Skitestes betrifft, herrscht ja jetzt Klarheit: es gibt sie nicht mehr. Die Antwort auf die Frage nach der zeitlichen Dauer der verordneten Massnahmen wird (auch) den Skizirkus brennend interessieren. Nur: diese Antwort kann noch nicht gegeben werden.
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Was die Materialtests im Hinblick auf den nächsten Winter betreffe präsentiere sich die Situation schon seit einigen Jahren gleich. Diese Tests und Materialanpassungen werden laufend, also auch während der Saison, gemacht. «Wenn nicht im Frühling getestet werden kann, dann hoffentlich wieder im Herbst. Oder spätestens kurz vor Saisonbeginn, zum Beispiel in Copper Mountain», sagt Beni Matti.
Letztlich gehe es auch bei den Skifirmen jetzt darum, die nötige Ruhe zu bewahren. Es ist anzunehmen, dass trotz eines «Wechseljahres» vergleichsweise wenige Profis ihre Ausrüster wechseln und bei ihren Firmen die Verträge verlängern. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass wechselwillige Sportlerinnen und Sportler ihre neuen Verträge bis Ende Juni unterzeichnet haben sollen.
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Diese in diesem Jahr zur Verfügung stehende Zeitspanne wird kaum ausreichen, um wirkliche Skitests noch durchführen zu können. Viele Athleten werden deshalb auf die bisherige Marke bauen und mit modifizierten Modellen den nächsten Winter bestreiten.
«Wir haben mit unserem Testteam in Winter auf unterschiedlichen Schneearten Daten gesammelt und auch kleinere Veränderungen an den Skiern vorgenommen. Diese Anpassungen sind ein laufender Prozess und diesen hat der Ausbruch und die Verbreitung des Coronavirus nicht beeinträchtigt», sagt Matti.