Bundespräsidentin meldet sich zu Selenskyj-Eklat

Nach dem Eklat im Weissen Haus sichert Europa der Ukraine die Unterstützung zu. Moskau spottet.

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Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj stritten über den Ukraine-Krieg. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Weissen Haus kam es zum Eklat zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj.
  • Europäer stellen sich sogleich hinter die Ukraine.
  • SP-Co-Präsident Wermuth richtet deutliche Worte an Trump

Donald Trump macht seinem Gast Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras schwere Vorwürfe und droht ihm. Der Ukrainer reist danach vorzeitig ab, eine gemeinsame Pressekonferenz wird abgesagt. Es ist ein historischer Eklat im Weissen Haus.

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter hat am Samstagmorgen das Engagement für einen «gerechten und dauerhaften Frieden» in der Ukraine bekräftigt.

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Karin Keller-Sutter meldet sich auf X. - X

Die Schweiz bleibe entschlossen, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu unterstützen, schrieb sie auf der Onlineplattform X.

Keller-Sutter verurteilt Russlands Aggression

Gleichzeitig verurteile die Schweiz «Russlands Aggression gegen einen souveränen Staat», schrieb Keller-Sutter in einer auf Englisch verfassten Stellungnahme weiter.

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Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj zofften sich im Oval Office. - X / @komadovsky

Autor Brian Krassenstein bezeichnet es auf X, vormals Twitter, als «absolut widerwärtig». SP-Co-Präsident Cédric Wermuth postet ein Video des Treffens und schreibt auf Englisch: «Honestly, fuck you Mister Trump.»

Sicherheitsexperte Nico Lange nennt es eine «historisch peinliche Show». Trump gebe Selenskyj die Schuld, dass er das «absurde 24-Stunden-Friedenswunder» nicht vollbringen konnte.

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Cédric Wermuth wählt deutliche Worte an die Adresse von Donald Trump. - bluesky

Mehrere Europäer stellten sich sogleich hinter Selenskyj, Polens Ministerpräsident Donald Tusk schreibt: «Lieber Selenskyj, liebe ukrainische Freunde, ihr seid nicht allein.» Auch Pedro Sanchez, der spanische Ministerpräsident, schreibt, dass sein Land zur Ukraine stehe.

SPD-Chef Lars Klingbeil fordert, dass Deutschland vorangehe, auch um der Ukraine zu helfen. SPD-Politiker Karl Lauterbach kritisiert den Eklat als «beispiellos». Die Einheit und Stärke Europas würden jeden Tag wichtiger. «Der Gewinner ist allein Putin.»

Frankreichs Emmanuel Macron, vor Kurzem auch noch bei Trump zu Besuch, sagt vor den Medien: «Ich denke, es war richtig, dass wir der Ukraine geholfen haben und dies auch weiterhin tun werden.» Man müsse diejenigen respektieren, die von Anfang an gekämpft hätten. Für ihre Würde, ihre Unabhängigkeit, ihre Kinder und die Sicherheit Europas.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Friedenswillen der Ukraine betont und sich damit von Trump abgegrenzt. «Niemand will Frieden mehr als die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine!», schrieb Scholz auf der Plattform X auf Deutsch und Englisch.

Scholz: Kiew kann sich auf Deutschland verlassen

«Deswegen suchen wir gemeinsam den Weg zu einem dauerhaften und gerechten Frieden.» Angesichts von Trumps Drohung, die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland im Stich zu lassen, betonte Scholz: «Auf Deutschland – und auf Europa – kann sich die Ukraine verlassen.»

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Selenskyj zugesichert, weiter an einem gerechten Frieden zu arbeiten. «Wir werden weiterhin mit Ihnen für einen gerechten und dauerhaften Frieden arbeiten», schrieb von der Leyen auf X.

An Selenskyj gerichtet schrieb sie: «Sie sind nie allein.» Zugleich sprach sie dem ukrainischen Präsidenten, dessen Land seit drei Jahren von Russland angegriffen wird, weiter Mut zu: «Seien Sie stark, seien Sie mutig, seien Sie furchtlos.»

Sorge nach verpatztem Treffen gross

Auch die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas stellt sich hinter Selenskyj und fordert, dass Europa eine Führungsrolle übernimmt. Heute ist klar geworden, dass die freie Welt einen neuen Anführer braucht», schrieb sie auf der Plattform X. «Es liegt an uns Europäern, diese Herausforderung anzunehmen.»

Wie gross die Sorge in Europa nach dem verpatzten Treffen ist, zeigt ein Vorstoss der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Sie schlug ein sofortiges Gipfeltreffen zwischen Europa und den USA vor. «Jede Spaltung des Westens macht uns alle schwächer und begünstigt die, die den Untergang unserer Zivilisation herbeiführen wollen», mahnte Meloni.

Kritik und Lob von Republikanern

Auch in den USA wird Trump teils kritisiert: Der demokratische Senator Chris Murphy spricht von einer «Unglaublichen Blamage für Amerika», es sei eine «traurige Szene». Chuck Schumer, Anführer der Demokraten im Senat, wirft Trump vor, die «Putins Drecksarbeit» zu machen.

Aus den eigenen Reihen kritisiert der Republikaner Don Bacon den Präsidenten. Es sei «ein schlechter Tag für die amerikanische Aussenpolitik» gewesen, sagt der Abgeordnete zu «NBC».

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Lindsey Graham (r.) war lange ein Fürsprecher von Donald Trump. - Keystone

Von Lindsey Graham gibt es aber Lob: Er sei nie stolzer auf den Präsidenten gewesen, sagt er gegenüber Medien. Trump und Vance seien für das Land eingestanden, Selenskyj sei im Oval Office «respektlos» gewesen.

Er bezweifelt, dass die USA je wieder mit ihm zusammenarbeiten könnten. Er müsse sich radikal ändern – «oder die Ukrainer sollen sich, wen anders einstellen».

Aussenminister Marco Rubio dankt Trump für den Einsatz für Amerika, «wie es noch kein Präsident zuvor gewagt hatte». Er setze Amerika an die erste Stelle. Rubio war beim Treffen dabei, hielt sich aber auffällig zurück.

Selenskyj dankt Trump

Aus Russland meldet sich Dmitri Medwedew und lobt Trump, der Selenskyj eine «eiskalte Klatsche» zugefügt habe. «Und das undankbare Schwein bekam eine kräftige Ohrfeige von den Besitzern des Schweinestalls. Das ist nützlich.»

Der ukrainische Präsident selbst gibt sich nach dem Treffen diplomatisch und schreibt auf X: «Danke Amerika, danke für die Unterstützung, danke für den Besuch.» Die Ukraine brauche einen fairen und andauernden Frieden. «Und genau daran arbeiten wir.»

Gegenüber «Fox News» sagte er aber, er werde sich nicht entschuldigen. «Ich respektiere den Präsidenten, ich respektiere das amerikanische Volk. Und ich denke, wir müssen sehr offen und sehr ehrlich sein.»

Vitali Klitschko, der Bürgermeister von Kiew, hofft auf die Fortsetzung der US-Hilfen. «Heute ist keine Zeit für Emotionen. Von keiner Seite. Es muss eine gemeinsame Position gesucht werden», schrieb er bei Telegram, ohne Trump zu erwähnen.

Kommentare

User #6350 (nicht angemeldet)

Haben die Ukrainer Stimmbürger je JA gesagt zu diesem Krieg? Haben sich die Soldaten je freiwillig gemeldet um sich abmetzeln zu lassen? Waren die Mütter dieser getöteten Soldaten zufrieden mit dieser Einberufung? Für jede Waffe, welche der so grosszügige „Wertewesten“ gen Osten schickt, müssen neue junge Menschen nachrücken - ob sie wollen oder nicht, interessiert offensichtlich auch all diese Gutmenschfraktionen nicht.

User #1493 (nicht angemeldet)

SVPler verkaufen Waffen an Russ, für Ukraine wollen sie neutral bleiben, stinnt vorne und hinten nicht.

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