Trumps universelle Zehn-Prozent-Zölle treten in Kraft
Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten pauschalen Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Waren aus allen Ländern sind in Kraft getreten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die von Donald Trump angekündigten pauschalen Zölle sind in Kraft getreten.
- Der Mechanismus mit noch höheren Zöllen wird ab 9. April gelten.
- Seit Trumps Ankündigung gingen die Aktien auf Talfahrt.
Donald Trump hatte das gewaltige Zollpaket bei einer wochenlang angekündigten Veranstaltung im Rosengarten verkündet.
Zudem hatte er einen komplexen Mechanismus angekündigt. Für Länder, mit denen die USA nach Auffassung der US-Regierung ein besonders grosses Handelsdefizit haben, sind noch höhere Zölle vorgesehen.
Darunter fällt die Schweiz mit Zöllen von mehr als 30 Prozent. Der Mechanismus wird ab 9. April gelten.
Bald auch Sonderzölle für bislang ausgenommene Waren?
Bestimmte Waren sind von den Zöllen ausgenommen. Dazu gehören unter anderem Produkte, für die bereits andere Zollregelungen gelten wie Stahl- und Aluminiumprodukte oder Autos und Autoteile.
Ausserdem sind einige weitere Produkte wie Kupfer, Arzneimittel, Halbleiter, Holzprodukte oder bestimmte kritische Mineralien ausgenommen.
Das Weisse Haus hatte allerdings deutlich gemacht, dass Trump für derartige Waren bald ebenfalls Sonderzölle ankündigen könnte.
Trump hatte den Tag, an dem die Zölle verkündet wurden, vorab als «Tag der Befreiung» gepriesen. Es ist der bisher aggressivste und folgenschwerste Schritt in der Handelspolitik des US-Präsidenten.
Aktien auf Talfahrt
Der Republikaner versprach, dass mit den Zöllen das «goldene Zeitalter» der USA zurückkommen werde. Nach seiner Ankündigung gingen die Aktien allerdings auf Talfahrt. Der hiesige Leitindex SMI fiel phasenweise gar leicht unter den Vorjahresschluss zurück.
Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, prophezeite höhere Inflation und langsameres Wachstum für die USA.

Ein globaler Handelskonflikt könnte die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise stürzen. Einige Länder haben bereits angekündigt, sich zu wehren – darunter China, nach den USA die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt.
Die EU-Kommission hat ebenfalls Gegenmassnahmen vorbereitet. Die Schweiz setzt auf Verhandlungen. Trump hatte zuletzt Gesprächsbereitschaft signalisiert und nicht ausgeschlossen, mit anderen Ländern über die Zölle zu verhandeln.
EU: «Bleiben in Kontakt»
Die EU-Kommission hat ebenfalls Gegenmassnahmen vorbereitet. Trump hatte nicht ausgeschlossen, mit anderen Ländern über die Zölle zu verhandeln. Nach einem Austausch mit US-Handelsminister Howard Lutnick und dem Handelsbeauftragten Jamieson Greer am Freitag teilte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic mit: «Wir bleiben in Kontakt.»
Der Chef der europäischen Christdemokraten, Manfred Weber, sagte, die Gemeinschaft lasse sich nicht herumschubsen. «Die EU ist zum Deal bereit, aber auf Augenhöhe», sagte Weber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Anteil der EU an der Weltwirtschaft betrage 22 Prozent, der Anteil der USA 25 Prozent.
Kritik auch in den USA
In den USA wurde auch von konservativer Seite Kritik am Zollpaket laut. So fürchtet der republikanische Senator Ted Cruz ernste Folgen für die Republikaner. «Sollten wir in eine Rezession geraten – insbesondere in eine schwere –, dann würde 2026 aller Wahrscheinlichkeit ein politisches Blutbad werden», sagte der Senator aus Texas in seinem Podcast «Verdict».

Die konservative US-Denkfabrik American Enterprise Institute stellte die Berechnung der Zölle infrage. Die Formel sei fehlerhaft und ergebe ökonomisch keinen Sinn, teilte das Institut mit. Im Ergebnis seien die Zölle deutlich überhöht angesetzt worden. Eine Korrektur würde die Zölle demnach auf maximal 14 Prozent senken, im Fall der Europäischen Union auf 10 Prozent.
«Perfekter Sturm» für arme Länder
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) warnte unterdessen vor schwerwiegenden Folgen besonders für die wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Länder und kleine Inselstaaten unter den Entwicklungsländern.
Sie seien nun dem «perfekten Sturm» ausgesetzt, dabei stünden sie zusammen nur für zwei Prozent des US-Handelsdefizits. Trump hatte Zölle von bis zu 50 Prozent ankündigt, die Höchstsätze treffen die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon sowie den afrikanischen Kleinstaat Lesotho.
Die USA hatten bereits vor Trumps gewaltiger Zollankündigung diverse Strafabgaben auf bestimmte Produkte verhängt, die weiter greifen. So sollen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle in die USA importierten Autos gelten, für Autoteile soll diese Strafmassnahme spätestens am 3. Mai greifen. Auch auf alle Stahl- und Aluminiumeinfuhren erheben die USA Zölle von 25 Prozent.