Ausschreitungen auf Korsika bei nationalistischer Demonstration
Auf der Mittelmeerinsel Korsika ist es am Rande einer nationalistischen Demonstration erneut zu Ausschreitungen mit der Polizei gekommen.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf der Insel Korsika haben wieder gewaltvolle Proteste stattgefunden.
- Das Problem sei laut Experten der fehlende Dialog zwischen Korsika und Paris.
Auf Korsika warfen Protestierende Molotow-Cocktails und setzten ein Verwaltungsgebäude teils in Brand. Dies berichtete der französische Sender France Bleu am Sonntagabend. Videos zeigten auch Angriffe auf das Gebäude der Präfektur in Bastia. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Der Zeitung «Corse Matin» zufolge beteiligten sich mehrere Tausend Menschen an dem Protest in der nordkorsischen Stadt. Aus Sicherheitsgründen waren Strassen abgesperrt worden. Die Präfektur hatte bestimmte Feuerwerkskörper verboten.

Bereits in der vergangenen Woche war es mehrfach zu gewaltvollen Ausschreitungen bei Demonstrationen auf der Insel gekommen. Ausgelöst wurden sie durch den Angriff auf den wegen Mordes 1998 am damaligen Präfekten verurteilten Nationalisten Yvan Colonna. Ein Mitgefangener attackierte Colonna im Gefängnis in Arles vor gut anderthalb Wochen. Colonna liegt nun im Koma.
Verhältnis zwischen Korsika und Paris schwierig
Demonstranten werfen Frankreich vor, mitschuldig an dem Angriff auf Colonna zu sein. Sie stören sich daran, dass dieser nicht nach Korsika verlegt worden war. Experten sehen den Grund der Proteste eher darin, dass nationalistische Forderungen in den vergangenen Jahren nicht erreicht wurden. Ein echter Dialog mit der Regierung in Paris habe nicht stattgefunden.
Das Verhältnis zwischen Korsika und der Regierung in Paris gilt seit langem als schwierig. Jahrzehntelang kämpften korsische Separatisten für mehr Eigenständigkeit, oft mit Gewalt. Die Untergrundorganisation FLNC legte 2014 die Waffen nieder. Etwa zeitgleich gewannen gemässigte Nationalisten politisch an Bedeutung.
Mittlerweile haben sie die Mehrheit im Regionalparlament und fordern einen Autonomiestatus.