Verkehrsumfrage liefert neue Impulse für Massnahmen
Die Stadt Schaffhausen schneidet bei einer Mobilitätsstudie im Vergleich zu anderen Städten gut ab – trotzdem zeigt die Umfrage auch Handlungsbedarf auf.

Wie die Stadt Schaffhausen berichtet, hat die Städtekonferenz Mobilität des Schweizerischen Städteverbandes in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut gfs.bern eine umfassende Studie zur urbanen Mobilität durchgeführt.
Die repräsentative Online-Umfrage, an der über 15'000 Personen aus zehn Schweizer Städten teilnahmen zeigt: Die Verkehrssituation in der Stadt Schaffhausen wird im Vergleich zu anderen mittelgrossen Städten positiver beurteilt. Die Ergebnisse liefern aber auch Hinweise, wo Handlungsbedarf besteht.
Die Hälfte der Schaffhauser nutzt den öffentlichen Verkehr für den Arbeitsweg – ein Wert, der leicht über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte liegt. Auch zu Fuss und mit dem Auto machen sich viele Personen auf den Weg zur Arbeit oder Ausbildung.
In der Freizeit sind die meisten Personen zu Fuss unterwegs, gefolgt von öffentlichem Verkehr und Auto. Velos und E-Bikes stehen an vierter beziehungsweise fünfter Stelle. In Bezug auf den Besitz von Fahrzeugen liegen die Werte für Autos mit Verbrennungsantrieb (74 Prozent) und für E-Bikes (31 Prozent) deutlich höher als in anderen Städten.
Vergleichsweise hohe Zufriedenheit
Von den 1214 befragten Schaffhausern sind 886 mit der generellen Verkehrssituation in der Stadt eher zufrieden (53 Prozent) oder sehr zufrieden (20 Prozent). Besonders bemerkenswert ist, dass die Zufriedenheit selbst während der Hauptverkehrszeiten mit 54 Prozent noch relativ hoch ist – ein deutlich besserer Wert im Vergleich zu ähnlichen Städten.
Die Zufriedenheit während Stosszeiten ist jedoch deutlich tiefer als die generelle Zufriedenheit und weist damit auf einen Problemdruck hin.
Die Beeinträchtigungen durch den Verkehr werden durch die Befragten in der Stadt Schaffhausen insgesamt geringer eingestuft als im Durchschnitt der vergleichbaren Städte. Nur der Parkplatzmangel für Personenwagen wird mit 48 Prozent etwas häufiger genannt als im Durchschnitt (45 Prozent).
Während sich die Bewohner nur zu 28 Prozent durch Verkehrsbehinderungen beeinträchtigt fühlen, liegt dieser Anteil im Durchschnitt deutlich bei 55 Prozent höher. Dies deutet darauf hin, dass die Verkehrsinfrastruktur in Schaffhausen insgesamt gut funktioniert.
Mehr Grünflächen und Veloinfrastruktur gewünscht
Auf die Frage zur Priorisierung von verkehrspolitischen Massnahmen wünschen sich die Schaffhauser vermehrte Investitionen in den Ausbau der Veloinfrastruktur sowie in Grünflächen und Begrünungen entlang der Strassen.
Auch Stadträume, in denen man sich wohlfühlt sowie Massnahmen gegen den Strassenlärm und andere verkehrsbedingte Umweltbelastungen sollen gefördert werden. Diese Massnahmen korrespondieren mit dem wahrgenommenen Problemdruck fehlender Grünflächen (29 Prozent), der Lärmbelastung (31 Prozent) und der Gefahrensituationen mit anderen Verkehrsteilnehmenden (32 Prozent), auch wenn dieser im Vergleich zum Durchschnitt deutlich geringer ausfällt.
Elektromobilität und Ladeinfrastruktur
Die Elektromobilität spielt in Schaffhausen eine zunehmend wichtige Rolle, weshalb Fragen zur Ladeinfrastruktur gestellt wurden. 62 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb erachten eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur als wichtig.
Auf öffentliche Ladestationen angewiesen sind hingegen nur zehn Prozent der Befragten. In Bezug auf die Standorte für öffentliche Ladestationen zeigen sich deutliche Unterschiede in Abhängigkeit davon, ob die Befragten selber ein Auto mit alternativem Antrieb nutzen.
Wer bereits ein solches Fahrzeug hat, sieht den Bedarf in erster Linie an zentralen Orten des täglichen Bedarfs wie Einkaufszentren (50 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Wünsche nach entsprechender Infrastruktur im Stadtzentrum (28 Prozent). Die Personen ohne Auto mit alternativem Antrieb priorisieren öffentliche Ladestationen bei Standorten des täglichen Bedarfs (36 Prozent) und im Wohnquartier (32 Prozent).
Wertvolle Erkenntnisse
Die Studie liefert Informationen zum Nutzungsverhalten und zur Zufriedenheit mit der lokalen Verkehrssituation sowie zu Präferenzen bei der Verteilung finanzieller Ressourcen im Bereich der Mobilität. Diese wertvollen Erkenntnisse bilden eine fundierte Grundlage für künftige verkehrspolitische Entscheidungen und Massnahmen.
Die Resultate der Studie bestätigen die bestehenden verkehrspolitischen Schwerpunkte der Stadt Schaffhausen und unterstreichen die Bedeutung geplanter Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sowie zur Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität.
Die Ergebnisse weisen aber auch auf Zielkonflikte hin, wie zum Beispiel bei der Nutzung des öffentlichen Raums für die Parkierung, die Begrünung oder die Veloinfrastruktur. Diese verschiedenen Bedürfnisse werden bei der Ausarbeitung von Projekten berücksichtigt und erfordern eine Abwägung der verschiedenen Interessen im Kontext der jeweiligen Situation.