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Rücktritte im VBS: Amherd versteht die Aufregung nicht

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Die Rücktritte von Armeechef Thomas Süssli und NDB-Direktor Christian Dussey sorgten für viel Aufregung. Jetzt nehmen sie mit VBS-Chefin Amherd Stellung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach den gestern bekanntgewordenen Rücktritten im VBS gibt es nun eine Medienkonferenz.
  • Unter anderem nehmen VBS-Chefin Viola Amherd und Armeechef Thomas Süssli teil.
  • Süssli bestätigt, dass er per Ende Jahr zurücktritt.

Nun ist es offiziell: Korpskommandant Thomas Süssli tritt per Ende Dezember 2025 als Chef der Armee zurück. Der Direktor des Nachrichtendienstes, Christian Dussey, bereits per Ende März 2026. Beide Herren nehmen teil an der Medienkonferenz mit VBS-Chefin Viola Amherd.

Aus der gleichzeitig verteilten Medienmitteilung gehen allerdings nicht viele Hintergrundinformationen hervor. Nur, dass für die Besetzung beider Stellen je eine Findungskommission eingesetzt werden soll. Die Arbeit von Dussey und Süssli wird verdankt.

Lob für Süssli, Kritik wegen Indiskretionen

Bei Süssli wird hervorgehoben, dass in seiner Amtszeit wegen der Corona-Pandemie die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst wurde. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs habe er den Auftrag, die Armee wieder verteidigungsfähig zu machen und die internationale Kooperation zu stärken. Zu seinen Leistungen zählten unter anderem die Gesamtkonzeption Cyber sowie der Aufbau des Cyberkommandos.

Loher Dussey Amherd Süssli
Rüstungschef Urs Loher, Verteidigungsministerin Viola Amherd, NDB-Direktor Christian Dussey und Korpskommandant Thomas Süssli, von links, auf dem Weg an die Medienkonferenz vom 26. Februar 2025, in Bern. - keystone

VBS-Vorsteherin Viola Amherd geht zu Beginn der Medienkonferenz allerdings streng protokollarisch vor: Sie präsentiert die Armeebotschaft 2025, das zweite Thema der heutigen Medienkonferenz.

Im Namen des Bundesrats gibt aber Bundesratssprecher Andrea Arcidiacono eine Erklärung ab: Der Bundesrat verurteile die Indiskretionen zu den beiden Rücktritten. «Die Indiskretionen schaden der Arbeit im Bundesrat, der Willensbildung und den Interessen des Landes.» Das VBS hat in dieser Sache bereits Strafanzeige eingereicht.

Amherd wehrt sich gegen Vorwürfe

Auch Amherd bedauert noch einmal, dass Informationen vorab veröffentlicht wurden. Das sei aber kein Vorwurf an die Medien, sondern betreffe bundesinterne Vorgänge.

Ein Vertrauensbruch liege aber nicht vor, betont Amherd. Die Amtsgeheimnisverletzung habe aber zur Folge gehabt, dass die Mitarbeitenden vom Rücktritt ihrer Chefs aus den Medien erfahren haben.

Findest du es gut, dass Armeechef Thomas Süssli zurücktritt?

Beide, Dussey und Süssli, würden nicht «von heute auf morgen» aus ihrem Job ausscheiden, betont Amherd. Diese – teilweise zu lesende – Darstellung sei falsch. Sie habe Christian Dussey gebeten, seine Funktion bis Ende März auszuüben.

Dass erst jetzt informiert werde, liege daran, dass auch noch das WEF, die bundesrätlichen «Skiferien» und die Münchner Sicherheitskonferenz dazwischen lagen.

Süssli bilanziert: «Vieles aufgegleist oder erreicht»

Thomas Süssli betont, er habe sein Amt nach bestem Wissen und Gewissen geführt. Er habe die Aufgabe angenommen, obwohl er sich nicht direkt darauf beworben habe. Auch Süssli kommt auf die Pandemie-Zeit und den Beginn des Ukraine-Kriegs zurück.

Es sei in seiner Amtszeit darum gegangen, die Armee auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten, namentlich die Erneuerung der Luftwaffe und die Bildung des Kommando Cyber. Auch darum, den wirklichen Zustand der Verteidungsfähigkeit und den Ressourcenbedarf zu deren Wiederherstellung aufzuzeigen.

Süssli betont auch die Bedeutung der Digitalisierung. Es heisse im Konflikt immer noch «kill or get killed», und wer digital sei, sei schneller.
«Nach den geplanten fünf Jahren im Amt, war es Ende letztes Jahr Zeit für mich, Bilanz zu ziehen», so Süssli. Er habe festgestellt, dass viele Ziele aufgegleist oder sogar erreicht seien.

Armeechef Süssli: «Amherd hatte immer für mich Zeit»

Diese Ziele hätte er nicht erreichen können, oder die Unterstützung seiner Chefin, Bundesrätin Amherd. «Es liegt mir viel daran, zu betonen, dass die Zusammenarbeit nicht nur gut, sondern sehr gut war.» Man habe sich wöchentlich, manchmal täglich gesehen: «Immer wenn Bedarf war, hatte sie Zeit.»

Viola Amherd Thomas Süssli
Im Gleichschritt: Bundesrätin Viola Amherd, links, und Thomas Süssli, Chef der Armee, rechts, schreiten zur einer Medienkonferenz über die Stärkung der Cyber-Abwehr und das neue «Kommando Cyber», am 1. September 2021 in Bern. - keystone

Süssli dankt auch seinen «Kameraden der Armeeführung» für die gute Zusammenarbeit und die Äusserung auch anderer Meinungen. Nun sei eine Phase abgeschlossen und es sei Zeit für «eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger».

Sein Rücktritt sei zwar ordentlich geplant gewesen, komme in diesen Tagen aber zur Unzeit. Er habe sich dies anders gewünscht. «Aber gerade auch der Umgang mit sich ändernden Lagen gehört zum militärischen Alltag. Den Druck, der jetzt entsteht, muss ich aushalten.»

Dussey bedauert mangelnde Ergebnisse

Auch NDB-Direktor Christian Dussey blickt auf seine Amtszeit zurück und zeigt Sorge über die aktuelle sicherheitspolitische Situation. Über die konkreten Gründe, die zu seinem Rücktritt führten, macht er aber keine Angaben.

Aber: «Anpassungen wurden vorgenommen, Fortschritte erzielt, dennoch bringen die Transformation des NDB noch nicht die erhofften Ergebnisse.» Erfolge würden erst in einigen Jahren sichtbar sein.

Amherd wehrt sich gegen Vorwürfe und Indiskretions-Gefahr

In der Fragerunde wehrt sich VBS-Chefin Amherd: «Ich verstehe die Aufregung nicht». Es habe keine Krisensitzung im Bundesrat gebraucht, denn die Zurücktretenden seien ja nicht sofort weg.

Auch die Kritik, sie verlasse ihr Departement inmitten grosser Schwierigkeiten, treffe darum nicht zu.

Die lange Zeit zwischen Rücktrittsschreiben und Kommunikation habe das Risiko von Indiskretionen nicht erhöht. Es habe verschiedene Vorarbeiten wie personalrechtliche Abklärungen gebraucht. Solange die Information innerhalb des VBS geblieben sei, sei nichts nach aussen gedrungen. Doch eine Stunde nach der bundesinternen Verteilung der Demissionsankündigung hätten die Informationen bereits den Medien vorgelegen, so Amherd.

Kommentare

Petermoser55

Versteht Amherd überhaupt etwas???

User #5443 (nicht angemeldet)

Die Medien haben diese Aufregung verursacht. Sie haben sich strafbar gemacht und sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Zeitungen, Radio, Fernsehen und online hätten die Meldung erst publizieren dürfen, wenn der Bundesrat offiziell informiert hat.

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