Neuer Präsident in Konfliktregion Abchasien gewählt
Badra Gunba wird neuer Präsident von Abchasien, trotz Nichtanerkennung durch Georgien und EU.

In der Südkaukasusregion Abchasien am Schwarzen Meer ist bei einer Stichwahl der 47-jährige Badra Gunba zum neuen Präsidenten gewählt worden. Weder Georgien, zu dem Abchasien völkerrechtlich gehört, noch die EU erkennen die Wahl in der von Russland als Staat anerkannten Region an.
Gunba, der jahrelang Vizepräsident und zuletzt geschäftsführend als Präsident im Amt war, kam auf 54,73 Prozent der Stimmen, wie Wahlleiter Dmitri Marschan in der Hauptstadt Suchumi mitteilte. Kremlchef Wladimir Putin gratulierte Gunba zum Sieg. Sein Gegner, der frühere Wirtschaftsminister Adgur Ardsinba erhielt 41,54 Prozent.
Kreml unterstützte Gumba
Die Präsidentschaftswahl wurde vorgezogen, nachdem es im November zu massiven Protesten gegen den Amtsinhaber Aslan Bschania gekommen war. Hintergrund war die geplante Unterzeichnung eines Investitionsabkommens mit Russland. Obwohl Abchasien politisch, militärisch und wirtschaftlich stark abhängig ist von Moskau demonstrierten viele Menschen gegen den Vertrag in Suchumi.
Sie befürchten einen Ausverkauf nationaler Interessen.
Der ehemalige Wirtschaftsminister Ardsinba gilt als Sprachrohr dieser Bewegung. Für den Gegenkandidaten Gunba, der nach dem Rücktritt Bschanias kommissarisch die Amtsgeschäfte des Präsidenten leitete, machte hingegen der Kreml Wahlkampf in Abchasien.
Abchasiens umstrittene Unabhängigkeit
Abchasien erklärte sich 1992 nach einem blutigen Bürgerkrieg für unabhängig. 2008, nach einem Krieg zwischen Georgien und Russland um die ebenfalls von Tiflis abtrünnige Region Südossetien erkannte Moskau die Souveränität Abchasiens an. International ist die Schwarzmeerregion allerdings isoliert.