Bundesrat

Bundesrat will Pestizid-Regeln wieder lockern – trotz hoher Werte

Simon Huber
Simon Huber

Aarau,

Die Gewässer im Mittelland sind stark von Pestizidrückständen belastet. Trotzdem plant der Bundesrat nun, die Pestizid-Vorschriften gelockert werden.

pestizid
Der Bundesrat plant, die Vorschriften zur Nutzung von Pestiziden zu lockern. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Befunde zeigen, dass Gewässer im Mittelland stark von Pestizidrückständen belastet sind.
  • Der Bundesrat plant derweil, die Vorschriften diesbezüglich zu lockern.
  • Das sorgt bei Umweltorganisationen für Kritik.

Die Schweiz sieht sich als Wasserschloss Europas und ist stolz auf ihre sauberen Flüsse und Seen. Doch Untersuchungen zeigen, dass die Gewässer im Mittelland stark mit Pestizidrückständen belastet sind.

Laut der eidgenössischen Wasserforschungsanstalt (Eawag) wurden die Grenzwerte in mehr als der Hälfte der Messstellen überschritten. Insbesondere in kleineren und mittelgrossen Flüssen sind die Werte hoch.

Umweltorganisation kritisiert Pläne zur Lockerung

Trotz dieser alarmierenden Befunde plant der Bundesrat, die Vorschriften zu lockern, anstatt sie strenger durchzusetzen. Bisher galt: Wenn ein Pestizid an 10 % der Messstellen über dem Grenzwert liegt, wird seine Zulassung überprüft.

Diese Schwelle soll nun auf 20 Prozent angehoben werden. Das sorgt für Kritik von der Umweltorganisationen 4Aqua. Geschäftsführer Georg Odermatt warnt gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass viele dieser Stoffe langlebig und schädlich für Mensch und Natur sind.

«4Aqua ist erstaunt über den Entscheid des Bundesrats. Wir sind überzeugt, dass das nicht im Interesse der Bevölkerung ist», meint Odermatt.

Wie stehst du zum Einsatz von Pestiziden?

Der Bundesrat begründet die Lockerung mit den Herausforderungen der Landwirtschaft. Durch den Entzug vieler Pflanzenschutzmittel gebe es weniger Möglichkeiten, Ernten zu schützen, was zu Ernteausfällen und einer verringerten Nahrungsmittelproduktion führe.

«Der Bundesrat hat eingesehen, dass Handlungsbedarf besteht, das freut mich», sagt Mitte-Nationalrat Leo Müller zur «NZZ».

Massnahmen durch Rösti gelockert

Eine Gruppe von bäuerlichen Parlamentariern, angeführt von SVP-Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger, setzt sich aktiv für diese Lockerungen ein. Unterstützt wird sie von weiteren Politikern mit engen Verbindungen zur Landwirtschaft, darunter FDP-Ständerätin Johanna Gapany.

rösti
Mit Albert Rösti als Umweltminister setzt der Bundesrat andere Prioritäten. - keystone

Sie trat 2024 in den Verwaltungsrat der Agrargenossenschaft Fenaco ein. Sie argumentieren, dass die Pestizidbelastung künftig nach EU-Standards gemessen werden sollte, was eine Abschwächung der bestehenden Regeln bedeuten würde.

Vier Jahre nach der Abstimmung über die Trinkwasserinitiative hat sich die politische Stimmung deutlich gewandelt. Mit Albert Rösti als Umweltminister setzt der Bundesrat nun andere Prioritäten. Zudem werden Massnahmen gelockert, die zuvor als Fortschritt im Gewässerschutz gefeiert wurden.

Kommentare

User #1551 (nicht angemeldet)

Syngenta gehört ja jetzt den Chinesen und diese Tafeln sehe ich weniger auf den Felder. Kann sein, dass er von den Chinesen genötigt wurde.

User #4067 (nicht angemeldet)

Kürzlich hat die Rundschau gezeigt, dass das Pseudoumweltdept. Röschti den Kantonschemikern vorschreibt, dass sie giftige Stoffe im Gewässer nicht melden dürfen wenn sie auf einer Liste des UVEK stehen. Angeblich soll dujrch das Gift der Ritter-Bauern die Kartoffeln nicht schön werden. Das UVEK als Gift Unterstützer ! Ich sage schon lange Röschti ist ein Umweltzerstörungsminister und macht dort weiter wo er als Lobby -Nationalrat aufgehört hat.

Weiterlesen

Karotte
57 Interaktionen
Test zeigt
Bafu Rösti Grenzwerte Pestizide
73 Interaktionen
Druck der Bauern
rückruf Heidelbeeren
14 Interaktionen
Wegen Pestizide
D
Erektionsproblem?

MEHR BUNDESRAT

Donald Trump
24 Interaktionen
Gruppenchat
Albert Rösti Bundesrat
45 Interaktionen
Sensible Daten
Beat
61 Interaktionen
Bern

MEHR AUS AARAU

Irene Kaelin
8 Interaktionen
Aarau
glarner
74 Interaktionen
Gericht urteilt