Gotthard: Darum ist es im Tunnel so warm
Im Gotthard ist es meist relativ warm – ein Autofahrer staunt über diese «Hitze». Für die ganzjährig konstanten 27 Grad gibt es eine einfache Erklärung.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Autofahrer fragt sich, warum es im Gotthard-Tunnel so heiss ist.
- Gemäss dem Astra herrschen in der Röhre ganzjährig rund 27 Grad.
- Grund dafür ist das Gebirge – auch in anderen Tunneln tritt das Phänomen auf.
Ob in der Schweizer Sonnenstube im Tessin oder in Italien: Oftmals ist es dort noch etwas wärmer als auf der Alpennordseite.
Besonders im Frühling oder Herbst, wenn es zu Hause etwas zu kühl ist, zieht es viele von Göschenen nach Airolo.
Heizen Autos den Gotthard?
Wobei man nicht zwingend am südlichen Ende des Gotthards ankommen muss, um hohe Temperaturen geniessen zu können. Denn schon in der Röhre selbst ist es oft sehr warm.
Unter anderem ein Autofahrer auf der Plattform Reddit wundert sich darüber. Er fragt in einem Post: «Warum ist der Gotthard-Tunnel so heiss?»

Er habe beim Durchfahren bemerkt, dass es in der Mitte der Röhre sehr heiss geworden sei. «So ungefähr 30 Grad», schreibt der Gotthard-Pilot.
Im Post stellt er selbst mehrere Thesen auf. Unter anderem fragt er sich, ob es an all den Autos liege, die durchfahren. Seine Überlegung: Die von den Fahrzeugen ausgestossene Hitze könnte sich ansammeln.
Stimmt das?
Gebirgsmasse ist der Grund
Nicht ganz.
Denn: Wie das Bundesamt für Strassen (Astra) gegenüber Nau.ch erklärt, hat die Wärme im Gotthard nichts mit den Autos zu tun. Sondern mit dem Gelände.
«Die höheren Temperaturen hängen mit der grossen Gebirgsmasse zusammen, die sich oberhalb des Tunnels befindet», erklärt Sprecherin Martina Wirth. Diese Masse wirke «als Isolationsschicht der Erdwärme».
Deswegen betrage die Temperatur «ganzjährig konstant 27 Grad». Sprich: Egal, ob Sommer oder Winter, es ist immer etwa gleich warm im Gotthard.
Das Phänomen ist auch nicht Gotthard-exklusiv. Erhöhte Temperaturen seien in allen (längeren) Tunneln zu beobachten, sagt Wirth. «Die Höhe der Temperaturen kann allerdings variieren.»
Felstemperaturen maximal zwischen 30 und 35 Grad
Geologe Thomas Breitenmoser vom Büro für Technische Geologie bestätigt gegenüber Nau.ch: «Die erhöhten Temperaturen im Berginnern sind in erster Linie auf die Erdwärme zurückzuführen.»
Er erklärt: «Die Erde ist in ihrem Kern etwa 6000 Grad Celsius heiss. Ab der Erdoberfläche nimmt die Temperatur zum Erdkern hin stetig zu.»
Bei tiefliegenden Tunneln, beziehungsweise bei Tunneln mit grosser Überlagerung, sind die Felstemperaturen gegenüber der Aussenluft höher. «Beim Gotthard-Tunnel beträgt die maximale Überlagerung vom Tunnel bis zur Geländeoberfläche knapp 1500 Meter.»
Die Felstemperatur betrage maximal zwischen 30 und 35 Grad und verhalte sich im Jahresverlauf ebenfalls konstant.
Der Reddit-User liegt laut dem Experten aber auch nicht komplett falsch: «Ein untergeordneter Anteil an einer erhöhten Temperatur in einem Tunnel ist auf den Verkehr und Anlagen, die Wärme abgeben, zurückzuführen.»
Infrastruktur hält Wärme aus – Bauarbeiten sind aber eine Herausforderung
Im Gotthard-Basistunnel, also im Eisenbahn-Tunnel, sei die Temperatur derweil noch etwas höher, sagt Astra-Sprecherin Wirth.
Dies, «weil dieser viel tiefer liegt und die darüberliegende Gebirgsmasse entsprechend viel grösser ist und stärker isoliert».

Sorgen muss man sich wegen der Temperaturen im Gotthard nicht machen.
«Auf die Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen im Tunnel haben die warmen Temperaturen keine Auswirkung», betont das Astra. Deren Funktion sei gewährleistet.
Für Bauarbeiter und -arbeiterinnen stellen die hohen Werte jedoch eine Herausforderung dar. Entsprechend werde jeweils darauf geachtet und es werden Vorkehrungen getroffen. Laut Astra kommen beispielsweise Kühlungsmaschinen zum Einsatz.