Kolumne

Werden unsere Kühe bald komplett überflüssig?

Mirjam Walser
Mirjam Walser

Zürich,

Kühe gehören fest zur Landwirtschaft – noch. Doch als Fleisch- und Milchlieferanten könnten ihre Tage bereits gezählt sein.

Mirjam Walser vegan Kolumne
Kolumnistin Mirjam Walser wünscht sich, dass alle Kühe so friedlich auf Bergwiesen entspannen dürfen. Vielleicht ist das in Zukunft sogar möglich? - Meryl Vogel - Portraitmacher / Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Neue Technologien ersetzen Massentierhaltung und Schlachthaus in der Fleischproduktion.
  • Das würde den Tieren und der Umwelt zugutekommen.
  • Kolumnistin Mirjam Walser fragt, ob dadurch Kühe bald überflüssig werden könnten.

Die Kuh hat’s nicht leicht: Erst wird sie zum Fleisch- und Milchlieferanten degradiert, dann als Klimakiller beschimpft – und jetzt könnte sie komplett überflüssig werden.

Denn während sie noch gemütlich wiederkäut, arbeitet die Wissenschaft an ihrem Ersatz: Fleisch, Milch und Käse aus dem Labor statt von der Kuh könnten bald ganz normal sein.

Für manche klingt das nach Science-Fiction oder einem Horrorfilm à la Frankenstein.

«Kunstfleisch aus dem Labor? Sicher nicht! Ich bleibe bei der Natur!», sagen einige – und übersehen dabei, dass moderne Tierhaltung mit «Natur» so viel zu tun hat wie eine Cervelat mit Veganismus.

Würdest du Fleisch aus dem Labor essen?

Die Vorstellung von glücklichen Kühen auf saftigen Weiden ist vor allem eines: ein Werbeversprechen.

Tatsächlich sieht rund die Hälfte der 1,5 Millionen Rinder in der Schweiz nie eine Wiese. Stattdessen verbringen sie ihr Leben in engen Ställen – auf hartem Gummiboden, oft ohne Stroh.

Kühe vegan
Das Leben von Kühen ist nicht so rosig, wie die Werbung es uns gerne verspricht. - Depositphotos

In der Natur würden Kühe zudem bis zu 20 Jahre alt werden, täglich mehrere Kilometer laufen und den ganzen Tag Gras kauen.

Aber mit der heutigen Tierhaltung hat das wenig zu tun: Milchkühe werden nach sechs Jahren ausgemustert, Mastrinder erreichen höchstens zwei Jahre. Die industrielle Tierhaltung ist auf Effizienz und Masse getrimmt.

Fleisch aus dem Labor, Milch aus Mikroorganismen?

Neue Technologien setzen hier an: Fleischproduktion ohne Massentierhaltung und deren Folgen für Umwelt und Tiere.

Beim sogenannten Laborfleisch – auch Clean Meat oder In-Vitro-Fleisch genannt – entnimmt man einer Kuh wenige Stammzellen, die in einem Bioreaktor zu Muskelgewebe heranwachsen.

So lassen sich theoretisch alle Fleischsorten züchten, von Burgern bis hin zu Steaks. Schätzungen zufolge könnte so der weltweite Rindfleischbedarf mit nur 150 Rindern gedeckt werden.

Erste Degustationen zeigen: Es schmeckt wie Fleisch und sieht aus wie Fleisch. Kein Wunder, es ist ja auch Fleisch!

Filet Mignon Labor vegan
Dem Schweizer Startup Mirai International ist es gelungen, ein Filet Mignon im Labor zu züchten. - Mirai International

Eine weitere vielversprechende Technologie ist die sogenannte Präzisionsfermentation.

Klingt kompliziert, ist aber im Grunde simpel: Mikroorganismen wie Hefen oder Bakterien werden so programmiert, dass sie gezielt tierische Proteine produzieren.

Diese Proteine können für die Herstellung von Milch oder Käse genutzt werden, ohne dass dafür eine Kuh gemolken werden muss.

Formo Käse
Das Berliner Start-up Formo – mit Schweizer Gründer – nutzt die Präzisionsfermentation, um Käse ohne Kuh herzustellen. Noch gibt es diese Käsesorten nicht im Handel. - Screenshot Instagram @eatformo

Diese Technologien stecken noch in den Kinderschuhen, doch eines ist sicher: Unsere Art zu essen wird sich verändern.

Aber keine Sorge. Wer jetzt an eine Frankenstein-Zukunft denkt, kann aufatmen. Pflanzliche Alternativen wie Hafermilch, Erbsen-Burger und Sojajoghurt gibt’s weiterhin für alle, die es naturnaher mögen.

Wohin mit all den Kühen?

Wird die Kuh also bald überflüssig? Zumindest als Fleisch- und Milchlieferantin könnte das schneller Realität werden, als viele denken.

In Singapur ist Laborhuhn bereits erhältlich, die USA haben grünes Licht gegeben. Und in Grossbritannien hat letzte Woche ein Unternehmen Hundefutter mit In-Vitro-Fleisch auf den Markt gebracht.

Die Zulassung in der Schweiz und der EU ist nur noch eine Frage der Zeit.

Kühe auf Almwiese
Was passiert mit all den Kühen, wenn wir sie nicht mehr züchten und schlachten? Vielleicht könnten sie dann einfach ihr Leben auf der Weide geniessen. - Depositphotos

Was bedeutet das für die Kühe? Und was machen wir mit all den Tieren, die plötzlich nicht mehr für Fleisch und Milch gebraucht werden? Keine Sorge, sie werden nicht die Felder überrennen und alles kahl fressen.

Sie könnten einfach das sein, was sie sind: Lebewesen, keine Ware, keine Produktionsmaschinen.

Einige würden ihr Leben auf Gnadenhöfen verbringen, andere als tierische Begleiter oder als natürliche Landschaftspfleger auf Weiden grasen.

Vielleicht werden Kühe irgendwann sogar unsere neuen Lieblingshaustiere. Immerhin: Sie sind freundlich, haben grosse Kulleraugen – und passen in einen grossen Garten mindestens fast so gut wie eine Riesendogge.

Zur Person: Mirjam Walser (38) schreibt auf Nau.ch regelmässig zum Thema Veganismus und Tierrechte. Als Coach und Gründerin der Vegan Business School ist sie Expertin für veganes Unternehmertum und vegane Innovationen.

Kommentare

User #6193 (nicht angemeldet)

Kühe werden nie überflüssig, sie sind noch überall in der Politik

User #6475 (nicht angemeldet)

Gesünder mit vegetarischer Ernährung!? − Fakten und Fiktionen (Bundeszentrum für Ernährung 11.12.2017) Vorallem Fazit und Empfehlung lesen! 300'000Vegetarier leben in der CH

Weiterlesen

Mirjam Walser vegan
845 Interaktionen
Kolumne
walser kolumne
500 Interaktionen
Was tun?
Walser Kolumne Vegan Kuhmilch
519 Interaktionen
Frag mal das Grosi
Betreutes Wohnen
2 Interaktionen
Betreutes Wohnen

MEHR KOLUMNE

Lust-Kolumne
44 Interaktionen
Lust-Kolumne
Beauty
80 Interaktionen
Beauty-Kolumne
Lust Kolumne
16 Interaktionen
Lust-Kolumne
Frau Computer
1 Interaktionen
Kolumne

MEHR AUS STADT ZüRICH

Zürich Stadt Kirchtürme Panorama
3 Interaktionen
Politik
Zürich Hauptbahnhof
14 Interaktionen
Zürich Hauptbahnhof
Steuererklärung
16 Interaktionen
Technische Störung