Citroën-Boss: Die Ära der SUV geht ihrem Ende entgegen
Könnte das E-Auto das SUV tatsächlich auslöschen? Das ist zumindest die Meinung des CEO von Citroën Vincent Cobée. Seine Argumentation ist spannend.

Das Wichtigste in Kürze
- SUV zählen noch immer zu den meistgekauften Neuwagen
- Elektrische SUV sind sehr gross und schwer und brauchen viele Ressourcen
- Strafsteuern könnten Gewicht neuer PKW belasten und zum Umdenken zwingen
Die letzten Tage brachten eine Flut an Neuheiten auf dem Automarkt, doch leider dominieren hierbei weiterhin die SUVs. BMW hat dem X5 SUV ein Facelift verpasst, während Mercedes dem SUV GLE ebenfalls neue Leuchten spendierte. Doch abgesehen davon, dass Modellpflegen heutzutage kaum noch das sind, was sie einmal waren, gibt kaum mehr spannende Neuheiten.
Citroën-Boss denkt laut über den Niedergang der SUV nach

Doch es gibt Hoffnung, denn Vincent Cobée, CEO von Citroën seit 2020, sieht das Ende der SUVs kommen. Er sagte das kürzlich auch sehr deutlich in einem Interview mit der englischen Fachpublikation Auto Express. «Die Ära der SUVs ist vorbei.»
Die Elektrifizierung ist für SUV ein Problem

Obwohl die aktuellen Verkaufszahlen seine These nicht unbedingt unterstützen, denkt Cobée in die Zukunft. «Wenn die Aerodynamik bei einem Elektroauto nicht stimmt, wird es sofort mit einer geringeren Reichweite bestraft.» Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Aerodynamik kann bis zu 50 Kilometer betragen. Der Unterschied zwischen einer elektrischen Limousine und einem E-SUV kann sogar bis zu 80 Kilometer betragen.
Bisher werden in schwere Autos einfach riesige Batterie eingebaut
Die meisten Hersteller von Elektroautos bauen derzeit einfach grössere Batterien ein, um den höheren Stromverbrauch auszugleichen. Doch das wird in Zukunft nicht mehr so einfach sein. In Frankreich wird beispielsweise eine Steuer nach Gewicht für Fahrzeuge diskutiert. Dann wäre eine grosse Batterie ein echtes Problem.
Das Durchschnittsgewicht von Neuwagen steigt dramatisch

In den 70er Jahren wog ein durchschnittliches Auto 700 Kilo, heute sind es schon mehr als 1,3 Tonnen. Bei E-Fahrzeugen sind es sogar gut zwei Tonnen, einige liegen sogar hier noch deutlich darüber. Man braucht entsprechend dreimal so viele Ressourcen, um «grün» zu fahren. Dies kritisiert Cobée nun heftig.
Batteriegrössen sollten bedarfsgerecht sein
Cobée verwendet gerne bildhafte Sprache, um seine Meinung zu verdeutlichen. Er vergleicht die aktuellen E-SUVs mit ihren Giga-Batterien mit einem Rucksack, den man auf einer mehrere Tage langen Wanderung mitnimmt. «Aber würden Sie mit diesem Rucksack auch ins Büro gehen, nein.» Eine tonnenschwere Batterie den Grossteil der Zeit nutzlos zu parken erscheint ihm sinnlos.
Die öffentliche Wahrnehmung hat sich geändert
Der CEO von Citroën sieht auch andere Entwicklungen. Wenn man vor fünf Jahren mit einem SUV seine Kinder in die Stadt gebracht hat, fühlte man sich als Mann. Wenn man das heute macht, fühlt man sich wie ein Terrorist. Cobées Meinung ist hier sehr pointiert, aber die öffentliche Wahrnehmung hat sich tatsächlich geändert.
Grenzwerte und EU-Vorgaben werden die Richtung vorgeben

Worauf Cobée am Ende hinaus möchte ist klar. Effizienz muss letztendlich immer gewinnen, wenn es wirklich um Nachhaltigkeit und Ressourcen-Ersparnis gehen soll. Es braucht vernünftige Fahrzeuggrössen und damit einhergehend bessere Aerodynamik und kleinere Batterien. Und mit SUV ist das nicht zu machen.